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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-01-01 · 1 (1.1903) · p. Seite 29

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
1 (1.1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 29 (sequence 32)
Language
German
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29 Der Weltruf, den Morris Rosenfeld als erster unter den Dichtern in jüdischer Sprache erlangte, hat leider bisher nicht vermocht, ihn dem Elend zu entreissen. Wohl hat er vor einigen Jahren aus Gesundheitsrücksichten die Schneiderei aufgeben müssen. Aber die neue Beschäftigung, die er sich wählte, um leben zu können, das Journalistenhandwefrk, hat ihn nicht besser gestellt. Gerade im letzten Jahre hat sich seiner eine tiefe Erbitterung bemächtigt, die er so schön in den Versen ausspricht: Nicht geträumt und nicht gesungen Schon seit langen, langen Wochen,, Tief verwundet ist die Seele., Und mein Geist, er ist gebrochen; Zeile muss um Zeile schuften. Der zum Singen ward erkoren^ Und die Spur der freien Göttin, Meiner Kunst, hab' ich verloren. Eine schmutzig graue Karre Muss mein stolrer Cherub ziehen, Der mich einst zum Himmel führte, Wo die lichten Träume blühen. Wer erinnert sich da nicht mit Wehmut eines anderen Gedichtes Rosenl'elds: Gott hält Kronrat mit den Engeln. Auf der Tagesordnung steht die Erschaffung des Menschen. Die Engel raten ab, dem Menschen Flügel zu geben. Gott stimmt ihnen zu, „nur eine Ausnahme" will er machen: Nur der Dichter trage Flügel, Ehrenzeichen seines Rangs! Oeffnen will ich meinen Himmel Ihm, dem Meister des Gesanges. Und ich wähle einen Engel. Der bereit bei Tag und Nacht, Ihm die Flügel anzuheften, Wenn sein heilig Lied erwacht. Mathias Ach er. *) Die gereimten Uebersetzungen dieses Aufsatzes sind, bis auf die letzte, von Feiwel. **) So heisst die in den Sommer fallende siebenwöehentliche Trauerzeit der Juden zum Andenken an verschiedene Nationalunglücke. ***) ch ist mit grossem Nachdruck und vorlautendem r, nach tirolerischer oder schweizerischer Art, zu sprechen. Bücher-Einlauf. „Alt-Neuland", Roman von Theodor H e r z 1, 5. Auflage. — Leipzig. Hermann Seemann Nachfolger. Jüdischer Almanach 5663". Redaktion des literarischen Teiles: Berthold Feiwel. Redaktion des künstlerischen Teiles : E. M.'L i 1 i e n. — Jüdischer Verlag, Berlin. Ein seit 1863 in Wien wohnhafter und seit 1877 zuständiger Glaubensgenosse welcher nachweisbar durch das Missgeschick ohne Beruf und Einkommen ist, bittet um Beschäftigung. Derselbe ist in der Buchführung, Kassa, jeder Art Administration und Vpreinswesen versiert, der ungarischen und böhmischen Sprache (im Worte), sowie etwas Stenographie mächtig. Geneigte Anträge an Moriz Schreiber, IL, Grosse Stadtgutgasse 14. I. Stiege, 1. Stock, Tür 11.

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