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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-01-01 · 1 (1.1903) · p. Seite 10

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
1 (1.1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 10 (sequence 13)
Language
German
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10 Der ungarische Reichstagsabgeordnete Karl von Eötvös, der berühmte Verteidiger im Tisza-Eszlarer Prozesse, richtet an Herrn Fleischer folgende Zeilen: Sehr geehrter Herr! Auf Ihre Anfrage bezüglich der Aeusserung des Prinzen Alois Liechtenstein kann ich nur so viel sagen, dass ich nicht glaube, dass Graf Julius Andrässy, dieser Mann mit der grossen und starken Urteilsfähigkeit, der ebenbürtige Freund Franz Deaks, auch nur einen einzigen Augenblick die gegen die Tisza-Eszlarer Juden erhobene Blutbeschuldigung ernst genommen hätte. Offenbar hat ihn Prinz Liechtenstein missverstanden, wenn er sich einer Aeusserung im entgegengesetzten Sinne zu erinnern glaubt. Graf Andrässy hat die vor zwanzig Jahren anlässlich des Tisza-Eszlarer Prozesses in Erscheinung getretenen sozialen Verhältnisse sehr genau gekannt; er wusste ganz gut, dass niemand die ungarischen Gerichte im Sinne einer Freisprechung der Angeklagten beeinüusst habe. Eher könnte auf Grund gewisser Symptome das Gegenteil behauptet werden. Graf Andrässy wusste unzweifelhaft auch, dass das Gericht, wenn auch nur die geringste juristische Möglichkeit vorhanden gewesen wäre, ein verurteilendes Erkenntnis geschöpft hätte. Das war damals die allgemeine Auffassung. Dass trotzdem alle drei Instanzen die Angeklagten freigesprochen haben: diese Tatsache spricht nicht nur für das Rechtsgefühl der Richter, sondern auch für den vollständigen Mangel an Belastungsbeweisen. Ein so ernster und grosser Staatsmann wie Graf Andrässy konnte eine diesem Sachverhalte widersprechende Ansicht nicht äussern. In jener Zeit haben sehr viele die Meinung ausgesprochen, dass, wenn die Juden nicht freigesprochen werden, zu befürchten sei, dass anderen Tages Tausende erschlagen würden. — Eine solche Aeusserung konnte möglicherweise auch Graf Andrässy getan haben. Das ist aber etwas ganz anderes! Mit herzlichem Grusse Ihr getreuer Budapest, 12. Oktober 1902. Karl von Eötvös. Der einstige Oberstaatsanwalts-Substitut und gegenwärtige Richter an der königlichen Kurie, Eduard Szeyffert, erklärt folgendes: „Ich wurde zum Tisza-Eszlarer Prozesse als Staatsanwalt mit dem bestimmten Auftrage entsendet, alles, was in meinen Kräften steht, aufzubieten, damit die reine und volle Wahrheit an den Tag komme. Ich habe nie einen anderen Auftrag erhalten. Mit aller Bestimmtheit erkläre ich, dass niemals, weder offiziell noch privatim, weder von Seite der Regierung noch einzelner Organe der Justizverwaltung auch nur der Versuch unternommen wurde, die richterliche Ueberzeugung während der Dauer des Gerichtsverfahrens, geschweige denn vor Schöpfung des Endurteiles, in einem vorgefassten Sinne zu beeinflussen." Diese Zeugnisse werden für objektiv urteilende Leser wohl ausreichen. G." Galizischer Hitfsverein. Die Generalversammlung des „Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" (Bureau: Wien, I., Tuchlauben 17) fand Montag den 8. Dezember unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn Maximilian Paul-Schiff

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