Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 1 (1.1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union. Nr. I Wien, Jänner 190(23 '5. Jahrgang AAru-uvu'xnAnnnivv^ ■*!«- - „Ohne Unterschied der Konfession". Es ist in letzter Zeit wiederholt vorgekommen, dass jüdische Wohltätigkeitsinstitute und jüdische Arme infolge unklarer testamentarischer Textierung seitens verstorbener Glaubensgenossen entweder ganz leer ausgingen oder nicht den ktztwilligen Inten- . tionen gemäss beteilt wurden. Dies hat den Vorstand der ,.Oesterreichisch-Israelitischen Union" veranlasst, an die höherbesteuerten Mitglieder der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und an alle Advokaten und Notare jüdischer Konfession eine Zuschrift zu richten, worin auf die oben erwähnten Vorkommnisse aufmerksam gemacht w ird. Der Vorstand der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" glaubte nicht nur im Sinne der Testatoren, sondern besonders im Interesse ihrer Rechtskonsulenten zu handeln, wenn er an sie die Aufforderung richtete, in Hinkunft die letztwilligen Intentionen genau zu formulieren, damit dieselben in praxi nicht illusorisch gemacht und die gerechtfertigten Vorwürfe sowohl seitens der sinngemäss Empfangsberechtigten als der Hinterbliebenen des Testators vermieden werden. Wir brauchen wohl nicht erst zu erwähnen, wie es tatsächlich mit der Beteilung jüdischer Armer beim Magistrate, respektive den magistratischen Bezirksämtern aussieht. Wenn das Oberhaupt der Stadt Wien in öffentlicher Sitzung sagen konnte : „Antisemitismus ist gleichbedeutend mit Anständigkeit!*' und gegen die früher bestandene armselige Subvention von fl. 200.— für jüdische Waisenkinder im Landtage gestimmt hat, so braucht wohl nichts weiter hinzugefügt zu werden. Es scheint der Bevölkerung, speziell aber unseren Glaubensgenossen noch immer nicht recht klar zu sein, welch unerhörter Missbrauch gerade mit den Mitteln der Wiener Gemeinde gemachtwird, die den berücksichtigungswürdigsten Vereinen Subventionen versagt, wahrend man rein klerikale katholische Bestrebungen unaufhörlich mit Mitteln subventioniert, zu denen auch die Juden gemäss ihrer perzentualen Bevölkerungsziffer (zirka 9%) beitragen. Ebenso scheint es noch immer nicht genügend bekannt zu sein, dass die allgemeine Wohltätigkeit, besonders die in Wien entstandenen humanitären interkonfessionellen Anstalten, ihre Förderung hauptsächlich jüdischen Wohltätern verdanken; es genügt, ein^n Blick auf die Verzeichnisse ihrer Gründer und Stifter zu werfen. Weder die reiche katholische Geistlichkeit,