Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 12 (12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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33 mehr gewachsen, als die Stadt selbst. Wir sehen hier geradezu ein imponierendes Stück Arbeit, das Resultat grosser Anstrengung von Seite unserer Glaubensgenossen, eine Arbeit, welche die Anerkennung jedes Unbefangenen erringen muss. Und mit dieser Anerkennung meine Herren ist auch in ganz zweifelloser Weise — und ich kehre hier zu dem Beginne meines Vortrages zurück — die Frage gelöst, die ich gestellt habe : ob die wirtschaftliche Thätigkeit der Juden von Vortheil und Wert gewesen. Meine Herren, wir können sie mit gerechtem Stolz auf das entschiedenste bejahen. Wenn eine Schichte sich um Wien verdient gemacht hat, sind es diese Juden, die in Wien, wo ihnen nicht die Luft zu athmen gestattet war, den En gro-Handel, den es vollständig verloren hatte, wieder geschaffen hat. Noch mehr, es ist ja klar, dass ohne diese Organisierung des Absatzes die Durchführung des Prohibitus-Systems die Schaffung der österreichischen Industrie gar nicht möglich gewesen wäre. Es ist nothwendig, dass diese unzweifelhafte Thatsache auf wissenschaftlichem Wege in das Inventar der österreichischen Wirtschaftsgeschichte einverleibt, actenmässig, documentarjsch begründet werden. Nun meine Herren, wir haben jetzt eine Competenz für diese Gelehrtenarbeit, die eingangs vorgeführte historische Gommission. Diese verehrte Corporation wird sich dieser Aufgabe nicht entziehen. Aber ich gehe weiter: Diese Aufgabe, die Feststellung der jüdischen Arbeit, speciell in Wien, ist nur eine unter vielen gleichen, sie alle zusammen bilden jene Richtung, welche ich mir erlaubt habe, als im Allgemeinen vernachlässigt, aber gerade als die dringendste und nöthigste zu bezeichnen: die Wirtschaftsgeschichte der Juden zu schaffen. Hoffen wir, dass die Gommission sich der Aufgaben für diese Wirtschaft das Material wissenschaftlich aufzubauen unterziehen wird, ihr zum Ruhme, uns zur Genugthuung! (Lebhafter, lang anhaltender Beifall. Redner wird allseitig beglückwünscht.)