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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-11-01 · 11 (11.1902) · p. Seite 17

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
11 (11.1902)
Date
1902-11-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 in Frankfurt a. M., ein Rundsehreiben und ein Flugblatt zur Versendung gebracht haben, worin zur Verbandsbildung aufgerufen wird. Von der jetzt in Organisation begriffenen Vereinigung der Frauen-Vereine versprechen wir uns günstige Förderung unserer guten Sache. Die Vereinigung wird hoffentlich gleich von vornherein nach einer ganz bestimmten Richtung hin sich von Nutzen erweisen. Es leuchtet ohneweiteres ■ein, dass das in Angriff genommene Rettungswerk seine physischen und wirtschaftlichen, noch mehr seine sittlichen und geistigen Erfolge, allein durch Geldopfer und durch Einwirkung von aussergalizischen Hauptstädten aus nur höchst mangelhaft würde erzielen können. Es bedarf der persönlichen Hingabe begeisterter Männer und Frauen, die bereit sind, Opfer an Lebensluxus und Freude, an sozialen Beziehungen und vielem anderem zu bringen. Es ist die Ueberzeugung zum Ausdruck gebracht worden, dass auf derartige mit dem nötigen Masse von Bildung, Wissen, Können ausgerüstete Personen wird gerechnet werden können. — Man will mit den Sendbotinnen den Anfang machen. Die Absichten unseres Komitees treffen in diesem Punkte mit denen zusammen, die von Seiten der an der Verbandsgründung beteiligten Frauen-Vereine durch Wort und Schrift geäussert worden sind. Seftdem sind die Vorverhandlungen in dieser Angelegenheit bis zu einem bestimmten Grade weitergeleitet, auch sind die Erwartungen nicht getäuscht worden; denn angesehene Damen von hoher Begabung, von nötiger Willenskraft und Ausdauer haben sich zur Uebernahme des hohen Amtes bereit erklärt und zum Teil noch für diese Mission die Bestreitung aus eigenen Mitteln übernommen. Es drängt uns, schon heute an dieser Stelle wärmsten Dank hierfür auszusprechen. Wir haben eine ganze Reihe grosser, weitreichender Massnahmen geschildert, die zur Aufrichtung der Bevölkerung und damit zur Bekämpfung des Mädchenhandels in Galizien getroffen worden sind. Die nach Millionen zählende, bis zu verhängnisvollem Tiefstand herabgekommene Bewohnerschaft des Ansiedlungsrayons in Russland ist bekanntlich mindestens In gleich schlimmer Verfassung wie die galizische. Da sie achtmal so zahlreich ist als diese, so würde in Russland erst recht der Anti-Sklaverei-Bewegung durch ethische xmd geistige Beeinflussung, sowie durch wirtschaftliche Hilfe am besten gedient werden können. Indes steht selbstverständlich unserem Komitee nach Lage der Verhältnisse irgendwelche Einflussnahme hierauf nicht zu Gebote. Wir müssen uns daher beschränken, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass unseres Erachtens es schon von nicht zu unterschätzendem Nutzen werden könnte, wenn im Anschluss an früher unternommene Versuche jüdische Damen und Herren in russischen- und polnischen Städten zu Spezialkomitees zusammengerufen würden, die eine vollkommene Kenntnis der Denk-, Sprech- und Gefühlsweise ihrer Stammesgenossen besitzen. Diese würden das Vertrauen der niederen Schichten leicht sich erwerben und segensreich ihre Tätigkeit entfalten .können. — Wir würden es mit grosser Freude begrüssen, wenn diese Anregung durch unser deutsches ISTationalkomitee Förderung zu erfahren vermöchte, so dass die internationale Vereinigung zur Bekämpfung weissen Sklaventums und die in Betracht kommenden Regierungsorgahe ihr Würdigung zuteil werden Hessen."

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