Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 11 (11.1902)
- Date
- 1902-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union. Nr. II Wien, November 1902 14. Jahrgang rV»VS»V>»''V'VV^*V>»\i«u^^^ Feiertagshetze und Boykott. In der antisemitischen Presse Wiens und der Provinz erschien anlässlich der jüngst verflossenen hohen Feiertage eine Reihe von Artikeln, in denen nicht nur die religiösen Empfindungen unserer Glaubensgenossen auf das gröblichste verletzt, sondern auch zum Boykott gegen jüdische Geschäftsleute aufgereizt wurde. Das Wiener „Deutsche Volksblatt" vom 2. Oktober d. J. unternahm zu Rosch Haschonoh und Jörn Kippur eine „antisemitische Studienreise", auf welcher es alle jene Geschäftslokale jüdischer Kaufleute proskribierte, die an den Feiertagen geschlossen hielten. Diese Liste wurde mit folgender Bemerkung veröffentlicht: „Zu Nutz und Frommen derer, die Antisemiten nicht nur dem Worte, sondern auch der Tat nach sein wollen, seien in folgendem jene Geschäfte angeführt, die in Wien an den „hohen Neujahrstagen" auf das christliche Geld „pfeifen", indem sie in der Millionenstadt, wie es allenfalls in einem galizischen Krähwinkel am Platze ist, geschlossen haben. Der echte Antisemit wird an den Tagen, die für den Juden nicht Feiertage sind, die Konsequenzen ziehen; es gibt zum Glücke noch genug christliche Geschäfte in Wien.'' Das Blatt kündigt zum Schlüsse die Absicht an, eine vollständige Proskriptionsliste aller sogenannten Judengeschäfte zusammenzustellen und zu veröffentlichen und es hat auch tatsächlich diese Absicht am 3. und am 12. Oktober weiter verfolgt. Der „Bote aus dem Egertal", das „Leitmeritzer Wochenblatt", die „Deutsche Wacht" und andere Hetzblätter brachten am jüdischen Neujahrstage und am jüdischen Versöhnungsfeste „Betrachtungen" voll gehässiger Aufreizungen gegen die Juden und voll höhnischen Spottes über die jüdischen Religionsgebräuche. Wir sind gegen diese Pamphlete sofort eingeschritten. In einer Eingabe an das Justizministerium haben wir dagegen Beschwerde geführt, dass die Staatsanwaltschaften solche Be- * schimpfungen der jüdischen Religionsgesellschaften, solche Aufreizungen zu Hass und Verachtung und zu feindseligen Handlungen gegen eine ganze Klasse von Staatsbürgern nicht beanständet haben. Diese passive Duldung ist umso auffallender, als eine Plenissimarentscheidung des Obersten Gerichtshofes