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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-10-01 · 10 (10.1902) · p. [Seite]

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
10 (10.1902)
Date
1902-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union. Nr. 10 Wien, Oktober 1902 14. Jahrgang ^*M^^^^M^*M^^^*M^*M^^^^M^^*^^^^M*^***^*^*M^****^^^M»^^JM» Die Wahlen in den niederösterreichischen Landtag. Wohl selten hat eine Wahl so allgemeines politisches Interesse erregt, wie die für Ende Oktober und Anfang November bevorstehende Wahl in den niederösterreichischen Landtag. Vor sechs Jahren haben die Christlich-Sozialen und Deutschnationalen zusammengewirkt, um die damalige liberale Landtagsmajorität zu beseitigen. Seither ist der niederösterreichische Landtag zu einer ausschliesslichen Domäne der christlich-socialen Partei herabgesunken. Landesausschuss, Landesschulrath, die Leitungen sämtlicher Landesanstalten wurden mit christlichsocialen Parteigrössen besetzt. Es ist nun unzweifelhaft, dass sich auf dem flachen Lande in den letzten Jahren ein Umschwung der Stimmung zu Un* gunsten der christlich-sozialen Partei vollzogen hat. Insbesondere herrscht gegen den Schulreferenten des niederösterreichischen Landesausschusses grosse Erbitterung. Bei den letzten Reichsratswahlen wurden in sämtlichen niederösterreichischen Stadtbezirken entschiedene Gegner, der christlich-sozialen Partei gewählt. Auch die Ersatzwahlen für den Landtag, welche innerhalb der sechs Jahre vorgenommen wurden, haben eine Schwächung dieser Partei herbeigeführt, so dass derzeit die christlich-soziale Mehrheit, wenn von einer solchen über* haupt gesprochen werden kann, auf wenige Stimmen reduziert erscheint. Der niederösterreichische Landtag zählt 78 Mitglieder Hiervon sind 41, und zwar 35 Christlich-Soziale, 4 konservative Grossgrundbesitzer und 2 Virilisten, der Mehrheit zuzurechnen, während die antiklerikale Minorität von 37 Stimmen aus 12 verfassungstreuen Grossgrundbesilzern, 12 gewählten Liberalen, 1 liberalen Virilisten, 1 Sozialdemokraten und 11 Deutschnationalen verschiedener Schattierung zusammengesetzt ist. Es ist nun mit Sicherheit anzunehmen, dass die Christlich- Sozialen zumindest 4 Stadtbezirke, und zwar St. Pölten, Amstetten und Neunkirchen an die Deutschnationalen und Floridsdorf an die Sozialdemokraten, verlieren. Da überdies die verfassungstreue Mehrheit des niederösterreichischen Grossgrundbesitzes den Konservativen nur zwei Man-

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