Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 6 (6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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17 In Sehnsucht sckliess' die Augen ich Und träum' dabei tiefinnerlich Von wonnigen Gebilden In trauten Heimgefilden. Nun aber zwingt der Feinde Schar Mich, hohnerfüllt und Mitleids bar, Das rauhe Töneschweifen Dem Feinde nachzupfeifen. Seitdem der ungewojinte Sang Aus meiner müden Kehle drang. In traurigen Accorden — Bin ich ein anderer worden. 0 nein, o nein., zum alten Glück Mit altem Sang kehr' ich zurück, Das Morgenroth zu wecken : Kein Unheil kann mich schrecken. Die zauberhafte Melodie, Sie töne, Zion, dir . . . und wie Der Phönix sein Gefieder, Erneu' ich meine Lieder! Wie die Schriften des alten Bundes, um mit Alexander v. Humboldt zu reden, eine Abspiegelung des Landes sind, in welchem das Volk sich bewegte, so ist die moderne neuhebräische Literatur eine Abspiegelung der Leiden und Drangsale, welche die Juden auf ihrer tausendjährigen Wanderung erfahren, zugleich aber auch ein Reflex der W^ünsche und Hoffnungen, die sie zu rastlosem literarischem Schaffen und Wirken anspornen. Die moderne neuhebräische Literatur hat nun eine Höhe erreicht, auf die auch nicht jüdische Kreise zu merken beginnen, und kein geringerer als der bekanne russische Schriftsteller Maxim Gorla hat es sich jetzt zur Aufgabe gestellt, eine Sammlung neuhebräischer belletristischer Werke in der russischen Sprache herauszugeben. (Berliner Tageblatt.) Albert Katz.