Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 3 (3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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30 verzeichnen. Wir lesen andererseits in der Zeitschrift „Le Diamant", dem Fachblatte der Diamantenhändler: „Je theurer die Diamanten werden, desto schlechter werden die Arbeiter bezahlt. Wenn man bedenkt, dass Hunderte von ihnen wöchentlich kaum 8 bis 10 Francs verdienen, so kann man nicht umhin, diese himmelschreiende Ungerechtigkeit zu beklagen. (25. September 1901.)" Wir wollen der Streik der Pelzarbeiter, der in den ersten Tagen des October ausgebrochen ist, nicht mit Stillschweigen übergehen. Man schätzt die Zahl der Juden in dieser Arbeiterclasse auf etwa 20 bis 25 Percent. Das Syndieat der Pelzarbeiter besteht aus etwa 300 Arbeitern und 200 Arbeiterinnen. Aber es gibt ungefähr 150 bis 200 Arbeiter, die dem Syndieat nicht angefroren, ohne die grosse Zahl von Arbeiterinnen zu rechnen. Die Streikenden forderten den achtstündigen Arbeitstag, der ihnen schon einmal gewährt, dann aber wieder versagt worden war. Die Arbeitgeber scheinen geneigt zu sein, dieses Zugeständnis zu gewähren, aber sie weigern sich, wie gefordert wird, mit jedem Arbeiter einen fünfjährigen Contract abzuschliessen. Man weiss, dass das Kürschnergewerbe, wenn man den nominellen Lohn in Betracht zieht, nicht zu den schlechtesten gehört. Der Tageslohn beträgt etwa 9 bis 10 Francs. Aber man darf nicht vergessen, dass nur ein Viertel der Pelzarbeiter das ganze Jahr hindurch Arbeit hat, die drei anderen Viertel müssen ungefähr sechs Monate feiern, was die Durchschnittslöhne sehr herabdrückt. Im Syndieat der Pelzarbeiter sagte man uns, dass die Löhne die beständige Neigung zeigten, zu fallen. Es wird oft für 6 bis 7 Francs Tagelohn gearbeitet. Dazu kommt die grosse Zahl der arbeitslosen Juden, die sich verdingen, wo sie können und so die Löhne herabdrücken. Um diesen Unzuträglichkeiten ein Ende zu machen, hat das Syndieat der Pelzarbeiter die Arbeitgeber aufgefordert, den achtstündigen Arbeitstag einzuführen, wodurch die Arbeitslosen Beschäftigung erhalten würden, ohne dass die Arbeitslöhne heruntergedrückt werden würden. Einzelne Geschäftshäuser weigern sich, dies zu thim, und haben zu besonderen Winkelzügen ihre Zuflucht genommen. Das Haus R. . . z. C, das 110 Arbeiter beschäftigt, hat den Anschluss seines Personals an das Syndieat verhindert, indem es ein Gratificationssystem einrichtete, das den Arbeiter an das Geschäft fesselt und ihn wichtigere Forderungen vergessen lässt. In dem Augenblicke, in dem wir diese Studie schreiben, können wir das Resultat des Streiks noch nicht mittheilen. Aber von Wichtigkeit ist, dass wir die grosse Zahl von beschäftigungslosen jüdischen Arbeitern, die, ohne es zu wollen, die Löhne beständig herabdrücken, festgestellt haben. Hinzugefügt sei, dass bei diesem Gewerbe der Staub äusserst gesundheitsschädlich ist. da er viele arsenikhaltige Bestandtheile, die zur Conservierung der Felle verwendet werden, mit sich führt. Wir wollen nicht nacheinander die verschiedenen Gewerbe betrachten, die von Juden in Paris ausgeübt werden. Es genügt, dass wir festgestellt haben, dass Juden dabei thätig sind. Uebrigens gibt es ausser der jüdischen Bevölkerung, die sich, so gut es geht, durchs Leben schlägt, noch eine sehr bedürftige Menge, die hauptsächlich im Maraisviertel (Judenstrasse, Rosierstrasse) eingepfercht ist. Wir wollen ihr Elend nicht ausmalen. Es ähnelt dem der anderen Elenden in Paris: Feuchte Wohnungen, die schlecht gelüftet und schlecht beleuchtet sind; ungenügende Ernährung u. s. w. u. s. w. Das jährliche Budget der jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten beweist hinreichend die Existenz einer Classe von jüdischen Elenden, neben den anderen nicht weniger zahlreichen. (Schluss folgt.) 9) Die jüdische Bevölkerung der Vereinigten Staaten ist heute ungefähr 1 045 000 Seelen stark, von denen 50—60 Procent dem Arbeiterstande angehören (Amerikanisches jüdisches Jahrbuch 1901).