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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-03-01 · 3 (3.1902) · p. Seite 15

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
3 (3.1902)
Date
1902-03-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 Beer mit zündenden Worten für den Anschluss an die „Union* ein und hob die grossen Verdienste hervor, welche die Leitung dieses Vereines sich um die moralischen und materiellen Interessen der österreichischen Judenschaft erworben hat. Die nachfolgenden zionistischen Redner, Herr Bernhardt und Herr Fuchs, betonten von ihrem speciellen Parteistandpunkte, dass sie die Rechtschutzthätigkeit der „Union" als eine in hohem Masse segensreiche rückhaltslos anerkennen, ja Herr Fuchs gab die Erklärung ab, dass er zu dieser Anerkennung vom Landesverbände der Einzelvereine „Z i o n" ausdrücklichermächtigtworden sei. Die zionistischen Redner benützten die Gelegenheit, um vor der Versammlung ihr Parteiprogramm zu entwickeln, wobei Herr Bernhardt den Fehler begieng, auf eine längst vergangene Zeit zurückzugreifen und aus der einstigen Stellung der „Union" bei politischen und Cultuswahlen Angriffe auf einzelne Persönlichkeiten abzuleiten. Diese Anwürfe wurden von Dr. Oscar Hein und Herrn Fleischer unter dem stürmischen Beifalle der Versammlung widerlegt. Letzterer verwiess auf die erfolgreiche Arbeit der „Union" und anderer gleichgesinnter jüdischer Vereinigungen in der galizischen Judenfrage, ein Beweis, dass das Princip des Rechtsschutzes auch zu positiv schöpferischer Thätigkeit führe. Redner anerkennt die grossen Verdienste der Zionisten um Wiedererweckung des jüdischen Bewusstseins, ist aber persönlich der Ansicht, dass das Judenthum kein staatenbildendes Element sei. Bei politischen Wahlen gelte es, die Kräfte in den einzelnen Wahlbezirken abzuschätzen und eine Politik der jüdischen Interessen zu befolgen. Bei Cultuswahlen könne man niemand eine Marschroute vorschreiben. Einigkeit nach aussen, Freiheit der Meinungen nach innen war immer jüdische Sitte und dass müsse auch in Zukunft die Parole sein. (Lebhafte Zustimmung.) Nach einem neuerlichen, wirksamen Appell des Herrn Beer meldeten fast sämmtliche Anwesende ihren Beitritt zur „Union" an. Am 13. Februar fand unter dem Vorsitze des Vorstandsmitgliedes Herrn Dr. Oscar Hein im Saale des „Reiterbund" eine Wanderversammlung für den III. Wiener Bezirk statt, welche zwar nur schwach besucht war, jedoch die Ausführungen des Leiters unseres Rechtsschutzbureaus, Herrn Secretär Fleischer, mit stürmischer Zustimmung aufnahm. Aus der Mitte der Versammlung wurde die Anregung gegeben, ein Agitations-Comite für den III. Bezirk zu constituieren, für welcnes sich sofort eine Anzahl Herren meldeten. Am 19. Februar fand in Müllers Restauration, III., Pragerstrasse, in Anwesenheit des Vicepräsidenten und mehrerer Vorstandsmitglieder der „Union" die Constituierung dieses Comites statt, welches seither seine Thätigkeit mit erfreulichem Erfolge in Angriff genommen hat. ♦ Der Leiter unseres Rechtsschutzbureau hielt am 17. Februar in K r a 1 u p und am 18. Februar in Rakonitz Wanderversammlungen ab, welche dem Vereine einen Zuwachs von circa 70 Mitgliedern brachten. Am 25. Februar fand im „Hotel Bristol" zu Prag eine von den besten Kreisen der Prager und Karolinenthaler Judenschaft glänzend besuchte Versammlung statt, die sich zu überaus ehrenvoller Manifestation für die Rechtsschutzthätigkeit der „Union" gestaltete. Am 26. Februar sprach Secretär Fleischer in S m i c h o w, am 27. in den kgl. Weinbergen. Wir kommen auf diese bedeutsamen Versammlungen im nächsten Hefte unserer Monatsschrift noch ausführlich zurück.

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