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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-02-01 · 2 (2.1902) · p. Seite 19

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
2 (2.1902)
Date
1902-02-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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19 Aus unserem Rechtsschutz-und Abwehr-Bureau. Antisemitische Roheiten in der Schule. Der Leiter unseres Rechtsschutzbureaus hat am 11. Jänner Sr. Excellenz dem Unterrichtsminister Dr. R. v. Härtel folgende Eingabe überreicht: Euer Excellenz! Zeitungsberichten über eine am 27. December 1901 vor dem k. k. Bezirksgerichte Hernais stattgefun dene Gerichtsverhandlung entnehmen wir, dass der Professor am k. k. Staatsgymnasium im XVII. Bezirke, Johann S p i k a, dem Schüler der III. Classe Felix Koppstein am 5. December während des Unterrichtes öffentlich zurief: „Frechheit ist eine Tugend, die in der Familie Koppstein sorgsam gepflegt wird." Tags darauf schrie Professor S p i k a dem Felix Koppstein zu: „Sie jüdischer Rotzbub. Sie Socialistenbub, in meines Vaters Zeiten habt Ihr noch garnicht ins Gymnasium hineindürfen, und jetzt ist dies der Dank dafür, dass man Euch hineinlässt. Ihnen, Koppstein, sage ich kein gutes Ende voraus, Sie werden noch Ehrenbürger in Stein werden, dort werden Sie ein sorgenloses Alter verbringen, Sie werden im Landesgerichte enden. Sie sind für die grauen Mauern geboren, ich kann mir Sie nicht anders vorstellen, als mit dem Messer, das Sie einem anderen in die Brust senken, verschwinden Sie von hier und machen Sie andere Gegenden unsicher." In derselben Gerichtsverhandlung wurden folgende Aeusserungen Professor Spikas gegen jüdische Schüler unter Beweis gestellt : „Ich will Sie nicht bei den Löffeln reissen, sonst sind morgen alle Zeitungen von der „Neuen Freien Presse* bis herab zur „Arbeiter-Zeitung" voll, da würde es heissen: Steinigt ihn, e Goi, e Professor hat das talentvolle Jüngel bei den Ohren gerissen." Auf eine Frage des Professors, was zu thun sei, wenn der Vater ein Verschwender sei und zu befürchten wäre, dass alles Geld vergeudet werde, antwortete ein Schüler mosaischer Confession : „Das Geld verstecken." Hierauf sagte Professor Spi ka : „Wendet Euch nur an jene Andersgläubigen, die wissen alle Kniffe von Geldverstecken und was zu thun ist, wenn sie Giranten sind. Mein eifrigstes Bestreben wird sein, die Juden in der Classe weniger zu machen." Ein Schüler mosaischer Confession wurde geprüft und blieb die Antwort schuldig. Darauf schrie ihn Professor Spika an: „Sie jüdischer Rotzbub, das habeich schon gewusst, als Sie noch ein kleiner Gelbgiesser waren." Wenn ein Schüler mosaischer Confession geprüft wurde, pflegte er zu sagen: „Erzählen Sie mir keine Lozelach und Schmeronzes, ich bin kein Freund des Alten Testaments." Einem anderen rief er zu: „Nehmen Sie sich eine andere Hose, damit Ihr Cadaver nicht durchfalle, und nehmen Sie das Gewächsr welches Sie Kopf nennen, putzen Sie denselben mit der Bürste gut aus, spucken Sie hinein und dann wTerfen Sie ihn auf den Misthaufen." Ferner sagte er einem jüdischen Schüler, der hinausverlangte: „Ihr Toches wird Ihnen nicht zerbrechen." Zum Erweise dieser Ausstreuungen berufen wir uns auf die Gerichtsacten, von denen wir die Anklage und die Nachtragseingabe des Klageanwaltes in Abschrift beilegen. Euer Excellenz! Statutenmässig zum Schutze der Ehre und der bürgerlichen Rechte unserer Glaubensgenossen berufen, müssen wir es der Erwägung Eurer Excellenz überlassen, ob und in welchem Masse der gesetzlich vorgesehene erziehliche Zweck der Mittelschule durch solche unqualificierbare Aeusserungen einer öffentlichen Lehrperson auch bei nichtjüdischen Schülern gefährdet wird. Wir treten hier lediglich für die beleidigte Ehre unserer Glaubensgenossen und für das

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