Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 1 (1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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23 ungern beschäftigt werden. Eine Ausnahme bilden jedoch die 7 Warschauer T a b a k f ab r ik e n, welche zusammen etwa 1500 Juden, Männer, Frauen und Kinder, beschäftigen. Die Kinder verdienen in solchen Fabriken 45 Kopeken, die Frauen circa 3 Rubel und die Männer bei einer Inständigen Arbeitszeit 5 Rubel wöchentlich. Ferner gibt es in Warschau eine Spitzenfabrik, die unter 1600 Arbeitern und Arbeiterinnnen 600 Juden beschäftigt. Die Männer vordienen 7 bis 8, die Frauen 3 Rubel die Woche. Endlich bestehen einige Blumen- und Federnfabriken, in denen etwa 500 jüdische Mädchen je 2 bis 4 Rubel wöchentlich erwerben. Weit zahlreicher sind die jüdischen Handwerker in Warschau vertreten, da gegenwärtig* circa 13.000 jüdische Familien mit über 70.000 Seelen sich nothdürftig durch ein Handwerk ernähren. Am zahlreichsten sind in Warschau die jüdischen Schuster, deren Zahl 2500 übersteigt. Ihre ökonomische Lage ist wenig beneidenswert. Nach dreijähriger Lehrzeit beginnt der angehende jüdische Schuster im Alter von 15 Jahren seine Laufbahn mit einem Wochenlohne von einem Rubel, um dieselbe mit einem Verdienste von 6 bis 7 Rubel als Schuhmacher und von 8 bis 12 Rubel als Lederzuschneider zu schliessen. Dabei ist die Arbeitszeit grenzenlos lang und erstreckt sich in der heissen Arbeitszeit auf 15 bis 18 Stunden täglich. Ebenso schlimm ist es mit den jüdischenSchneidern bestellt, welche zwischen 14 bis 18 Stunden täglich arbeiten müssen und dabei mit Hilfe einer Nähmaschine es doch nur auf 7 Rubel wöchentlich bringen. Ferner gibt es in Warschau 2000 jüdische Näherinnen, ebensoviel Tischler und Schlosser, 1200 Buchbinder, 800 Schachtelmacher, 700 Klempner und diverse Hunderte von Buchdruckern, Bäckern, Handschuhmachern etc. etc. Alle diese Handwerker unterscheiden sich von ihren christlichen Gollegen dadurch, dass sie eine weit längere Arbeitszeit als diese haben. Während sie bei den Christen 10 bis 12 Stunden täglich dauert, währt die Arbeitszeit der Juden durchwegs 13 bis 16 Stunden. Der Grund für diese längere Arbeitszeit der jüdischen Handwerker ist in den Ausnahmsgesetzen zu suchen, welche auf den russischen Juden lasten und sie zwingen, in den wenigen Städten des Ansiedlungsrayons zu leben, wo sie einander die schwerste Concurrenz machen. Dadurch drücken sie die Löhne herab und schrauben die Arbeitszeit auf eine unglaubliche Höhe hinauf. Von der Arbeitsscheu aber ist im Gegentheile nicht die geringste Spur vorhanden. Mittheilungen der „Oesterr.-Israelit. Union". An unsere Glaubensgenossen! In einer Ausschreibung des Wiener Magistrates zur Bewerbung um die Lazar und Katharina Goldstein'sehe Stiftung für Witwen und