Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-01-01 · 1 (1.1902) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
1 (1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9756662-9602426-9602427--0259-9602429
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2 Die galizische Judenfrage. Die erste diesjährige Versammlung der Oesterreichisch-Israelitisclien Union fand Samstag den Ii. December im Festsaale des Kaufmännischen Vereines statt und vereinigte ein zahlreiches, den besten Kreisen angehörendes Publicum. Galt es doch, einen geschätzten Gast aus Berlin, den Secretär der Gesellschaft zur Beförderung der Bodencultur unter den deutschen Juden, Herr Dr. Ernst Tuch, über eine der brennendsten Fragen: „D a s Massenelend der galizische]! Juden und Bestrebungen zu ihrer R e 11 u n g", zu hören. Unter den Anwesenden bemerkten wir die Reichsrathsabgeordneten Dr B y k und Dr. St r a u c h e r, den Vizepräsidenten der Wiener Cultusgemeinde Dr. Gustav K o h n und die Cultusvorsteher Dr. Adolf Stein, Dr. Grünfeld, Salo Cohn, Dr. Alfred Berger, kais. Rath Moritz Hirsch. Dr. Marcus Spitzer und Oberf inanzrath Dr. R a p p a p o r t, kais. Rath Dr. Lieben, die Rabbiner Dr. Taglieht, Dr. G e lb h a u s und Dr. Kaminka, die Vorstandsmitglieder des galizischen Hilfsvereines Teltscher, Dr. Edmund Ko h n , Dr. W. P a p p e n h e im , D. R o 11 e r, Director der Länderbank K u x und Gottlieb Lederer. Ferner Hof rath K a r e i s, Prof. G r a u b a r t, die Directoren Heller und F i s c h e r, den Obmann des Jüdischen Volksvereines Riehard Rappaport, den Obmannstellvertreter des Politischen Volksvereines Dr. Marceil H o f fm a n n , den Obmann des Vereines zur Hebung der Gewerbe S. B r o d, den Obmann des Tempel Vereines im 9. Bezirk Gottlieb Bettelheim, die Vereinssecretäre Dr. Birnbaum, Dr. Halberstamm und Dr. Pollack u. v. A. Präsident Paul-Schiff eröffnete die Versammlung mit folgender Ansprache: „Sehr geehrte Damen und Herren! Ich erlaube mir, Sie auf das herzlichste zu begrüssen, und erkläre die Versammlung für eröffnet. Seitdem ich die Ehre habe, an der Spitze des Vereines zu stehen, ist es heute das erstemal, dass ich in die Lage komme, mit einem grösseren Theile der Mitglieder in Fühlung zu treten, und so erlaube ich mir bei dieser Gelegenheit, im Anschlüsse an meine bei Uebernahme dieses Amtes gesprochenen Worte, neuerlich die Versicherung zu geben, dass ich bestrebt sein werde, für den Verein mein volles Können nach besten Kräften einzusetzen, um die „Union" auf jener Höhe der Entwicklung zu erhalten, zu welcher sie meine ausgezeichneten Vorgänger im Präsidium emporgeführt haben und namentlich unsere Rechtsschutz-Institution immer kräftiger auszubauen. (Beifall.) Ich brauche wohl nicht zu betonen, dass die allbekannten traurigen und durch Duldung seitens der berufenen Factoren zum grössten Theile veranlassten Verhältnisse eine plötzliche Besserung nicht erwarten lassen. Ich bin aber der Ansicht, dass an eine solche überhaupt nur gedacht werden kann, wenn wir Juden fest zusammenhalten, wenn wir nicht in Zersplitterung aufgehen, und wenn wir keine Sonderinteressen geltend machen, sondern dieselben im Hinblicke auf den gemeinsamen Zweck stets zurückstellen. Vergessen wir nicht, dass unsere Körperschaft auf dem innerlichen und äusserlichen Bekenntnisse zum Judenthum basiert. Damit wollen wir zwar keine rituelle Richtung documentieren, sondern nebst der Aufrechthaltung unseres Glaubens und unserer ältesten Cultur pflichtgemäss und pietvoll für unsere verfolgte Sache einstehen und uns um ein in Gefahr befindliches Panier railiieren. Nur hierdurch .aHein können wir die Achtung aller Welt und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.