Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 12 (12.1901)
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Kais. Rath Adolf Ruzicka gibt seiner Befriedigung Ausdruck, dass die erste Versammlung der „Union" unter dem neuen Präsidium in den Bezirken Mariahilf und Neubau abgehalten werde, und empfiehlt mit warmen Worten die werkthätige Förderung der Vereinszwecke. Hierauf begründete Secretär Siegfried Fleischer in einstündiger Rede die Notwendigkeit einer einheitlichen Vertheidigungs- Organisation der gesammten österreichischen Judenschaft ohne Unterschied der sonstigen politischen, nationalen oder rituellen Parteistellung- Redner illustriert durch einzelne hervorstechende Beispiele die segensreiche Wirksamkeit des Rechtsschutz- Bureaus, die zweckbewusste und entschiedene Wahrung der staatsbürgerlichen Rechte, die Verfcheidigung der Ehre und der Existenz der österreischen Juden durch die „Oesterreichisch-Tsraelitische Union" und richtete an die Versammelten den eindringlichen Appell, nicht nur selbst Mann für Mann ihren Beitritt zu vollziehen, sondern auch zu rastlosen Verkündern des Gedankens der Selbsthilfe und der streitbaren Abwehr unter den Glaubensgenossen zu werden. An den beifällig aufgenommenen Vortrag schloss sich eine anregende Discussion, in welcher zunächst Herr Kapp er den Wunsch aussprach, dass die Rabbiner in der Gemeinde ihren Einfluss zugunsten der „Union" aufbieten. Herr Dr. Kahn erklärte von seinem zionistischen Standpunkte, dass er jede Organisation unter den Juden mit Freude begrüsse und dass seine Gesinnungsgenossen unbeschadet ihrer weitergesteckten Ziele die Nothwendigkeit des Rechtsschutzes anerkennen und die Wirksamkeit der „Union" gerne unterstützen werden. In gleichem Sinne sprach Herr Dr. Engländer, der die erzielten Erfolge zugab, eine dauernde Besserung der allgemeinen Lage der Judenschaft aber nur von dem Anschlüsse an die zionistischen Bestrebungen erwartet. Herr Fröscheis spricht sich gegen die Heranziehung der Rabbiner zu einer politischen Action aus. Herr T e w e 1 e s empfiehlt eine bezirksweise Organisation. In formvollendeter, wiederholt von lebhaftem Beifalle unterbrochener Rede gab Herr Rabbiner Dr. J. Taglicht dem Bedauern über die Indolenz eines grossen Theiles der Wiener Judenschaft Ausdruck und erklärte, dass die Wirksamkeit der „Union" eine politische und eine moralische Seite habe. Er sehe keinerlei Hindernis, dass die Rabbiner durch die Stärkung des Selbstbewusstseins unserer Glaubensgenossen die moralische Thätigkeit der „Union" mit allem Nachdruck unterstützen und unausgesetzt auf die Einigung und Einigkeit der Judenschaft, die ja dem Namen „Union" entspreche, hinwirken. Secretär Fleischer begrüsste in seinem Schlussworte mit herzlicher Freude die von zionistischer Seite abgegebenen Erklärungen, die beweisen, dass mannigfache Berührungspunkte zwischen beiden Richtungen vorhanden seien. Es müsse ja auch das Verdienst der Zionisten, in die stumpfe Masse des Ostens den Strahl der Erkenntnis geworfen und sie für die Organisation vorbereitet zu haben, rückhaltlos anerkannt werden. Die „Union" habe das Programm gemeinsamer Arbeit auf dem Boden der gegebenen Thatsachen aufgestellt. Was darüber hinausgehe, liege nicht im Rahmen ihrer realpolitischen Bestrebungen, sie habe aber auch keine Ursache, einer ideaipoliti^chen Bewegung.die unserer Jugend wieder jüdisches Bewusstsein einpflanze, hinderlich in den Weg zu treten.Die heutige Discussion habe gezeigt, dass bei ruhiger Aussprache und Achtung gegenteiliger Ueberzeuguugen anscheinend unvereinbare und gegensätzliche Meinungen einander nähergebracht werden können. Nach einem dringenden und wirkungsvollen Appell des Präsidenten Herrn Paul-Schift, in der Pflege jüdischen Gemeinsinnes nicht