Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 12 (12.1901)
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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als die Vertheilung von Almosen, durch welche das Bettlerwesen geradezu künstlich gezüchtet wird. In Deutschland, in Frankreich und England, ja selbst in Ungarn hat man diese Wahrheit längst begriffen und den jüdischen Wohlthätigkeitstrieb aus dem ausgefahrenen caritativen Geleise in socialpolitische Bahnen geleitet. Dort gibt es bereits grosse Stiftungen, dazu bestimmt, dem jüdischen Proletariat neue Gebiete der Erwerbsthätigkeit zu erschliessen, es zu Ackerbau und industrieller Lohnarbeit hinüberzuleiten. Bei uns sind der „Galizische Hilfsverein" und der „Verein für Arbeitsnachweis" seit kurzer Zeit in gleicher Richtung und mit schönem Erfolge thätig. Aber mit diesen Bemühungen steht die Rechtsschutz-Thätigkeit der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" in untrennbarem Zusammenhange. Ohne Recht gibt es keine gesicherte Existenz. Das Recht aber muss unausgesetzt mit den Waffen m der Hand vertheidigt und, wo es verletzt wurde, im Kampfe zurückerobert werden. Das erfordert einen materiellen Aufwand, der sich in dem Masse steigert, als die Zahl unserer Feinde sich vermehrt und der gute Wille oder die Fähigkeit der Staatsgewalt, dem Gesetze Achtung zu verschaffen, sich vermindert. Da nun dieser Aufwand von den Mitgliedsbeiträgen allein nicht bestritten werden kann, wäre es die Pflicht der bemittelten Glaubensgenossen, ihre Opferwilligkeit auch gegenüber dem Rechtsschutz-Bureau der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" in der Weise zu bekunden, dass sie dem Beispiele, das Herr Philipp Bondy durch Testierung von 500 Kronen und Herr Dr. Jacob Engel anlässlich unserer jüngsten Wanderversammlung durch Zuwendung einer Spende von 100 Kronen gegeben, nacheifern. Ausserhalb Oesterreichs fliessen allen jüdischen Institutionen durch Legate, Spenden und Abführung von Gewinsten sehr beträchtliche Einnahmen zu. Auch innerhalb unserer politischen und nationalen Parteien ist man sich der Pflicht bewusst, die gemeinsame Kriegscasse durch Beiträge jeder Art zu stärken. Man werfe einmal einen Blick in die Arbeiterblätter! In jedem derselben finden sich Ausweise über freiwillige Gaben für den Parteifonds. Sollten unsere wohlhabenderen Glaubensgenossen an Opferwilligkeit und politischer Einsicht hinter dem armen Proletarier zurückstehen, der von seinem kargen Wochenlohne immer noch einen Groschen für öffentliche Zwecke übrig hat? So mag denn das erste Legat, das der „Oesterreichisch- Israelitischen Union" zugefallen ist, ein Ansporn sein zu freudiger Nachahmung! Mögen sie den Ruf beherzigen, den wir von nun ab in jeder Nummer unserer Monatsschrift wiederholen werden: Glaubensgenossen! Sorget durch Legate, Spenden und Zusendung von Gewinsten für das Rechtsschutz-Bureaux der „Oesterreichisch-Israelitischen Union"!