Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 11 (11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union. Nr. II Wien, November 1901 13. Jahrgang ^*M*M^^*M^**^^^M**»^^**^*M^^*^^^VM»***<*^*d^*M^***^*^^M**>^** Die Aufgaben der „Oesterreichisch-Israelitischen Union". Der neugewählte Präsident der „Oesterreichisch-Israelitischen Union", Herr Maximilian Paul-Schiff, hat am 19. d. M. dieses Ehrenamt mit folgender Ansprache an den versammelten Vorstand und Beirath angetreten: „Geehrte Herren! Wenn jemand zur Leitung einer Körperschaft gewählt wird, in der er bereits längere Zeit zu wirken Gelegenheit hatte, so wird er darin die Begründung seiner Berufung nebst einer Anerkennung für seine bisherige Thätigkeit erblicken können. Aber selbst in diesem Falle wird der Erwählte inmitten des Gefühles der Befriedigung und der Ehrung Bedenken empfinden, ob er seiner Aufgabe und den Erwartungen seiner Wähler gewachsen ist, mag er noch so viel guten Willen mitbringen. Um wie viel mehr treffen alle diese Momente heute bei mir zu! Muss ich mir doch sagen, dass ich ausser der Beibringung des guten Willens gar wenig auf öffentlichem Gebiete geleistet habe, um diese ehrenvolle Wahl zu rechtfertigen, und umso grösser müssen also die Erwartungen sein, die die Berufung zur Leitung der bedeutendsten jüdischen Vereinigung der Monarchie erwecken muss. Wenn ich nun, obwohl alle diese Bedenken in vollstem Masse auf mich einstürmen mussten, dieselben dennoch überwunden und Ihrem ehrenvollen Rufe Folge geleistet habe, so geschieht dies vor allem deshalb, weil ich es als Pflicht ansehe, unter den heutigen traurigen Verhältnissen diesen exponierten Posten nicht von mir zu weisen. Da ich nun als homo novus vor Ihnen erscheine und ich mir bewusst bin, dass meine Wahl in erster Linie auf das Vertrauen, welches Sie Ihrem zweiten Vice-Präsidenten geschenkt haben, zurückzuführen ist, so bin ich es Ihnen und meinem verehrten Cöllegen Sigmund Mayer umsomehr schuldig, meine Auffassung bezüglich der Thätigkeit, zu welcher Sie mich berufen haben, bekannt zu geben und Ihnen das Programm, welches ich mir als Richtschnur vor Augen halte, mitzutheilen. Meine Herren! Diese Corporation kämpft um die Wahrung unserer politischen und unserer heiligsten Menschenrechte, eine Aufgabe, wie ich sie mir ehrenvoller nicht denken kann. Fürwahr, es ist traurig, dass wir heute, nachdem mehr als ein Jahrhundert seit der Deklaration der Menschenrechte verflossen und in Oesterreich selbst fast mehr als