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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-10-01 · 10 (10.1901) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
10 (10.1901)
Date
1901-10-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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eine eine mächtige, über das ganze Eeich sich erstreckende Organisation geworden ist und dass die Zahl ihrer Mitglieder von 1100 auf nahezu 5000 stieg. Diese grossartige Entwicklung ist fast ausschliesslich der muthigen Initiative und beharrlichen Energie des scheidenden Präsidenten zu danken. Mit dem schönen Vorsatze, die vielfach einander entgegen wirkenden Kräfte des österreichischen «Tudenthums zu sammeln und die Glaubensgenossen des ganzen Keiches auf der Basis der Vertheidigung ihrer staatsbürgerlichen Hechte zu einigen, ist Herr kais. Rath Adolf Ruzicka ins Amt getreten. Es war ein idealer Gedanke, dem er Leben und Wirksamkeit verleihen wollte, und angesichts der Zersplitterung und Zerfahrenheit, die das Erbtheil unserer Glaubensgemeinschaft zu sein scheint, müssen die in verhältnismässig kurzer Frist erzielt Resultate wahrhaft überraschende genannt werden. Es hat freilich auch an Widerständen nicht gefehlt, und seine feinfühlige Natur musste es doppelt schmerzlich empfinden, dass sein Ruf zur Einigung wohl draussen in der Provinz begeisterten Anklang fand, aber just im Schosse der grossen Wiener Cultusgemeinde sich mancher hemmende Einfluss dagegen bemerkbar machte. Mit der extensiven Entwicklung des Vereines, mit seinem numerischen Wachsthum ist auch sein moralisches Ansehen nach innen und aussen ausserordentlich gestiegen. Unsere Stimme gewann erhöhtes Gewicht, wenn wir mit Klagen und Beschwerden über erlittenes Unrecht vor die Hüter des Gesetzes hinzutreten hatten, und so darf Herr kais. Rath Ruzicka das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, das Rechtsschutz- und Abwehr b urea u , diese segensreiche Schöpfung seines Vorgängers im Präsidium, des Herrn kais. Rathes A n tl i n g e r , weiter ausgebaut und gefestigt zu haben. Die politisch bedeutsamste Action dieses Bureaus war und ist die unentgeltliche Erwirkung des Heimatsrechtes für viele hunderte unserer Glaubensgenossen auf Grund des neuen Heimatsgesetzes, eine Thätigkeit, der Präsident Ruzicka mit Rücksicht auf die damit verbundene Vermehrung der freisinnigen Wählerschaft seine ganz besondere Sorgfalt widmete und die er gerade in der jüngsten Zeit in grossem Stile und mit wahrem Feuereifer fortführte. Ein dauerndes Zeugnis seiner rastlosen, nach allen Seiten ausgreifenden und befruchtenden Arbeit bildet die von ihm begründete „Monatsschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union", welche den stetigen Contact der Centralleitung mit den Mitgliedern in der Provinz vermittelt und viele Anregungen enthält, die dem unermüdlichen Geiste des scheidenden Präsidenten entsprangen. Wir würden dem Wesen des trefflichen Mannes nicht voll gerecht werden, wenn wir nicht auch rühmend des Edelmuthes, der Herzensgüte und des Wohlwollens gedenken würden, die ihn auszeichnen. Streng in der Erfüllung der eigenen Pflichten, war er doch stets milde und nachsichtig gegen Andere und jederzeit bereit, Bedürftigen Trost und Hilfe zu spenden. In den Beamten der „Union" hat er weniger seine Untergebenen als seine Mitarbeiter gesehen und ihnen seine warme Fürsorge zugewendet.

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