Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 5/6 (Mai/Juni 1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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auf folgender Basis: — Er will die ihm zugesprochene Hälfte des Vermögens behalten, die andere Hälfte aber, die nun dem Staate gehört, aufdie soll dieser gute Staat gnädiglich verzichten, und Shylock soll sie wieder bekommen, jedoch nur zur Fruchtniessung, der Vermögensstock soll für Jessica reserviert bleiben... Auf Kostendes Staates ist also Antonio edelmüthig, und die andere Hälfte zu behalten, macht ihm, dem Manne, der gestern noch Nobile war, keine Beschwer! Und nach diesem Acte gottvoller Gnade entdeckt Antonio in sich auch den Christen wieder und bittet: all das jedoch nur unter der Bedingung, dass Shylock zum Christenthum übertritt . . . Und Porzia? Nun, ich sagte schon, sie sieht alles und kennt jetzt den Mann. Kein Wort wird öffentlich über ihre Lippen kommen, denn nie kann sie vergessen, dass Antonio denn doch durch Bassanio auf den Weg zu all dem Unheile gelangt ist. Aber, wie gesagt, sie kennt jetzt den Mann, und als Antonio nach Belmont kommt, übergibt sie ihm ein Schreiben, das ihn wieder zum Herrn macht über grosse Reichthümer. „Eure Schiffe sind zurückgekehrt," sagt sie voller Zartgefühl, aber wahr ist es nicht; sie selbst ersetzt dem Manne alles verlorene Gut, und er sagt, in Thränen schwimmend: „Ihr gabt mir Leben und zu leben." Und wieder nimmt er an, wie er Shylocks halbes Vermögen angenommen; dass er auf das eine oder das andere verzichtete, das steht nicht in Shakespeare. Und dieser gefühlvolle und zartfühlende und gnadenreiche Kaufmann war es also auch, nicht aber der aus Porzias Munde sprechende Geist Shakespeares, der das Wort von der Notwendigkeit der Christwerdung sprach. Ja, noch mehr, dass er es sprach, das gerade zeigt für die Grösse Shakespeares. So sprechen die Antonios, und man muss es uns zeigen, dass sie so sprechen, denn ihre Art ist unsterblich und lebt ja noch heutigen Tages. Sie verdammen den Juden und nennen ihn den Sclaven des Geldes; und wennn sie sich nicht minder des Geldes ersättigt haben, dann fällt ihnen immer noch das Christenthum ein.