Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 5/6 (Mai/Juni 1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9756662-9602173-9602262--0105-9602276- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 gesetz uns die willkommene Gelegenheit bot, an alle Glaubensgenossen, namentlich aber die in Wien wohnhaften ungarischen Staatsangehörigen, die Aufforderung zu richten, mit der Erwerbung des Heimatsrechtes sich auch in den Besitz der politischen Rechte zu setzen, und dass wir uns erboten, alle diesbezüglichen Arbeiten unentgeltlich durchzuführen. Auf solche Weise hoffen wir, den freisinnigen Parteien eine beträchtliche Anzahl neuer Stimmen zuzuführen und so die wenigen Erfolge, welche dieselben bei den letzten Reichsraths wählen errangen, festhalten zu können. Je mehr unsere Glaubensgenossen im ganzen Reiche das von uns vertretene Princip selbstthätiger und herzhafter Abwehr jedes Unrechtes zu dem ihrigen machen, umso rascher dürfen wir erwarten, dass die bei den jüngsten Wahlen zutage getretenen leisen Anzeichen einer Besserung kräftiger hervortreten und mit der wünschenvwerten Gesundung der inneren Lage auch der Glaubens- und Rassenhass eine Abschwächung erfahren wird. Hr. Ehrlich beantragt, dass dem scheidenden Vorstande das Absolutorium ertheilt wird. (Wird angenommen.) Präsident dankt für die Bethätigung des Vertrauens und übergibt den Vorsitz dem Vicepräsidenten Herrn Prof. Dr. S. E h rm an n. Die Neuwahl des Vorstandes. Vicepräsi.dent: Wir kommen nunmehr zur Wahl eines Präsidenten. Hr. Dr. Bloch beantragt, dem Präsidenten Herrn kaiserl. Rath Adolf R u z i c k a den Dank für seine wirklich rastlose, mühselige und erfolgreiche Thätigkeit dadurch auszudrücken, dass man ihn neuerlich, und zwar per Acclamation, zum Präsidenten wähle. (Der Antrag wird angenommen, kaiserl. Rath Ruzicka erscheint einstimmig gewählt. Die Kundgebung des Resultates wird durch lebhaften Beifall begleitet.) Präsident (übernimmt wieder den Vorsitz): Gestatten Sie mir wenige Worte. Irn Vorjahre war es nöthig, dass ich Ihnen etwas Programmatisches zur Verfügung stellte; heute ist das überflüssig, weil Sie wissen, in welchem Verhältnisse ich mit dem Vorstande zusammen arbeite. Unser Programm kennen Sie: Es heisst, intensive Arbeit und Pflichtbewusstsein zum Ausdruck zu bringen. Nicht hohle Phrasen von ernster Arbeit werden gebraucht, nicht zum Vergnügen wird eine Versammlung nach der anderen veranstaltet, sondern nur zur Erfüllung einer ehernen Pflicht. AVenn der Präsident seinen Absichten Wirkung verschaffen soll, bedarf er der werkthätigen und freudigen Unterstützung seitens des Vorstandes. Diese habe ich denn auch vollauf gefunden, und ich halte mich für verpflichtet, allen diesen Herren meinen Dank hier zum Ausdruck zu bringen, dass sie die Güte hatten, alle jene Schwächen nachsichtig zu behandeln, die dem neuen Mann anhafteten. Wir haben uns langsam, aber von Tag zu Tag besser verstanden und ich kann sagen, dass