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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-05-01 · 5/6 (Mai/Juni 1901) · p. Seite 10

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
5/6 (Mai/Juni 1901)
Date
1901-05-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Beharrlichkeit angestrebten Einigung bewährte sich in zahlreichen Fällen. Freudig constatieren wir auch an dieser Stelle die Begeisterung, mit welcher unsere Glaubensbrüder in der Provinz die Idee einer solchen einheitlichen Organisation begrüssten, während wir in Wien selbst noch gegen eine sehr beträchtliche Indolenz anzukämpfen haben. In der Zeit vom 15. April 1900 bis zum 24. März 1901 haben wir 143G Gescbäftsstücke zu erledigen gehabt. Die Pressaction, das heisst die Zurückweisung verleumderischer Angriffe in der antisemitischen Presse im Wege des Berichtigungsverfahrens oder der gerichtlichen Klage, deren Rückgang wir schon im Vorjahre constatieren konnten, hat eine weitere Abnahme erfahren, ein Beweis, dass unsere consequente Abwehr auf diesem Gebiete einerseits die antisemitische Presse zu grösserer Reserve gezwungen, andererseits aber auch die behördlichen Organe zu entschiedenerer Handhabung der*diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen aufgerüttelt hat. Trotzdem waren wir noch immer genöthigt, in 73 Fällen antisemitische Zeitungsnachrichten auf ihre Wahrheit zu prüfen und in 37 Fällen die Aufnahme von Berichtigungen zu fordern. Dagegen ist die Zahl der Beschwerden, die wir theils mündlich, theils schriftlich bei der Centraibehörde gegen Uebergriffe oder Unterlassungen staatlicher Organe auf dem Gebiete der Verwaltung und Rechtspflege erheben mussten, von 12 im Vorjahre auf 32 im Berichtsjahre gestiegen. Mit lebhafter Genugthuung und zur Ehre der gegenwärtigen Regierung dürfen wir hervorheben, dass fast in allen Fällen unseren begründeten Beschwerden mit thunlichster Beschleunigung abgeholfen wurde. Insgesammt hat unser Bureau vom 15. April 1900 bis 24. März 1901 in 229 Fällen, in den 3Y2 Jahren seines Bestandes in 795 Fällen interveniert; die Zahl der erledigten Geschäftsstücke seit dem Bestände des Bureaus beträgt 4120. Der Hass unserer Gegner hat auch im abgelaufenen Jahre an die wechselnden Phasen des Hilsner-Processes angeknüpft, urn die Leidenschaften der urtheilslosen Menge gegen uns aufzustacheln. Sie wissen, dass dieser Process vor den Pilsener Geschworenen denselben Ausgang genommen hat, wie vor dem Kuttenberger Schwurgerichte, und dass die zweite Revision vor dem Gassationshofe am 23. April in öffentlicher Verhandlung stattfinden wird. Wir haben der Verteidigung unausgesetzt und nach Kräften hilfreichen Beistand geleistet und bleiben weiterhin bemüht, der Wahrheit zum Siege zu verhelfen. Von czechisch-radicaler JSeite ist in der letzten Zeit wiederholt der Versuch gemacht worden, einen Ritualmord zu fabricieren. In Alt-Benatek, Misslitz und in O lmü t z wurden Juden beschuldigt, christlichen Dienstmädchen Blut abgezapft zu haben, und in Mährisc h-Os trau hat man einer jüdischen Witwe, zu der eine christliche Vagantin ein von ihr gestohlenes Kind in Pflege gegeben hatte, verdächtigt, dass sie dieses Kind jüdischen Schächtern ausliefern wollte. In all diesen Fällen hat, zum Theile durch unsere Mithilfe, die gericht-

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