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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-03-01 · 3 (3.1901) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
3 (3.1901)
Date
1901-03-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 ^eüilletoi% Dreihundert Jahre Shylock-Schimpf. Vortrag, gehalten am 5. Jänner 1901 in der „Oesterr. Israelit. Union* von Adolf Gelber. Verehrte Damen und Herren! Sie gestatten mir eine kurze Vorbemerkung. Ich bin kein Redner für alles, sondern ein Mensch, der immer nur den Karren zieht, vor welchen er gespannt wird, oder der mit der Sache alle Windungen und Wendungen mitmacht, die ihn eben lockt und reizt. Ich bin also ein undisciplinierter Redner, und wie es solchen zu gehen pflegt, gerathe ich zuweilen in Eifer, in Aufregung, und es passiert, dass ich etwas vergesse, oder dass ich mich in Phantasien verliere, wenn die Gelegenheit zu solchen am Raine blüht, oder aber dass ich zuweilen wild werde und über die Stränge schlage, so dass nicht jedes Wort, das ich in der Hitze der Rede ausspreche, just auf die Wagschale zu legen ist. Das muss ich vorausschicken, weil ich an Sie die Bitte habe, mir zu glauben, dass ich mir fest vorgenommen habe, heute und gerade heute, da ich in diesem Vereine spreche, einerseits alle Phantasie beiseite zu lassen, anderseits aber, wenn möglich, mich im Zügel zu halten und soviel Kälte aufzubringen, als mir Gott gegeben hat. Denn weder mit Kraftworten, noch mit Stimmungsmacherei und der Erregung von Gefühlen, in Ihnen, die Sie ohnehin freundliche Zuhörer sind, ist bei dem Thema, über welches ich sprechen soll, etwas gethan. Mir scheint, wenn an politischer Stätte — und es ist ja hier ein politischer Verein — ein Redner anftritt, der über ein sogenanntes literarisches Thema sprechen soll, so kann das doch nur den Zweck haben, dass der politische Mensch, der Staatsbürger, der Zuhörer etwas davon in das politische, in das allgemeine Leben hinausträgt, um seinerseits in der Lage zu sein, wenn ihm je in der zu verhandelnden Materie mit Stich begegnet wird, mit Stich zu antworten, und wenn er sich angegriffen fühlt, auch über die Parade zu verfügen. Und darum wäre ich (und ich bitte es mir nicht als Unbescheidenheit auszulegen) inbetreff des kleinen und beschränkten Gebietes, dessen ich Herr bin, wirklich glücklich, wenn ich den hier anwesenden, sowie überhaupt allen Juden die Mittel mittheilen könnte, um ein ungeheuerliches und schreckliches Vorurtheil zu widerlegen. Täglich und überall zündelt und brandelt es ja, und man macht Anleihen bei der Literatur, um sie im politischen und socialen Kampfe zu verwerten. Heute macht man Wahlen und kämpft um Gemeinderaths-, Landtags- und Reichsrathssitze, und sind die Wahlen vorüber, in denen es gegen den Juden geht, dann flackert es in der Literatur und auf der Bühne wieder auf. und wir hören es wieder: Shylock, Shylock, Shylock!

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