Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 2 (2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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19 theil der zionistischen Termin ologie mit Nutzen angeeignet. Trotz alledem sind wir so frei, uns noch immer für eine „staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft" zu halten. Trautenau. Unter den hiesigen Radau-Antisemiten thun sich besonders die beiden Cassiere der Oesterreichischen Nordwestbahn namens Scharf und Wagner hervor. — Es wurde schon vor Jahren bei der Direction des genannten Verkehrsunternehmens gegen die beiden Herren Klage geführt: sie scheinen damals eine Verwarnung bekommen zu haben und hielten sich einige Zeit zurück, sind aber jetzt wieder im alten Fahrwasser und tragen ausserordentlich viel zur Verschärfung der hier sonst noch leidlichen Verhältnisse bei. Lemberg. (V ersuchter Kind er r a u b). „Slowo Polskie" meldet einen an die. Äffaire Ä raten erinnernden Vorfall, welcher sich hier vor einigen Tagen ereignete. Die zehnjährige Tochter des jüdischen Bürstenbinders R e i s le r wurde auf der Strasse von einem unbekannten Frauenzimmer angesprochen und mit Zuckerwerk nach dem entlegenen Vororte Lesienice gelockt, wo schliesslich Vorübergehende auf das sich sträubende Kind aufmerksam wurden und dasselbe sammt der Entführerin auf den Gendarmerieposten brachten. Dort gab Letztere an, sie heisse Emma Lozinska und habe die Absicht gehabt, das Mädchen in ein Frauenkloster zu bringen, um es dort zu taufe n. In dieser Angelegenheit wurde die. Strafuntersuchung eingeleitet. Urief kostet). G. F., Prag. Dass die neugewählten c zechisch-nationalen Arbeiter' den antisemitischen Heerbann verstärken werden, wussten wir schon vorher. Im November v. J. erschien in einem Wiener antisemitischen Blatte ein angeblicher Aufruf an die socialdemokratischen Wähler Prags, in welchem es hiess : „Der jüdische Verein für Böhmen (eine Vereinigung unter diesem Titel existirt gar nicht) wendete sich mit der Bitte an die Präger socialdemokratische ^Parteileitung, die Socialdemokraten mögen zur Unterdrückung der Folgen des Hilsner- Processes (!) beitragen, wogegen der Verein bei den Wahlen in der fünften Curie sich für die socialdemokratischen Arbeiter einsetzen werde. Wer also Anhänger unserer Partei ist, arbeite im Interesse Hilsners." Dieser läppische „Aufruf4 war wörtlich dem Prager Organe der czechisch-nationalen Arbeiterschaft entnommen. Es braucht nicht besonders betont zu werden, dass die darin aufgestellten Behauptungen von A bis Z erlogen sind. Die Czeehisch-Nationalen haben auch die Nach oder Judenexcesse auf dem Gewissen. Adolf B—r., Wien. Als Repressalie gegen den in Frankreich eingebrachten Gesetzentwurf gegen die geistlichen Congregationen schlägt die „Reichspost" ein Gesetz zur Confiscation der Judengüter in Oesterreich (!) vor. Motivirt soll derselbe folgendermassen werden : „Es kann gar kein Zweifel darüber bestehen, dass diese Action, dieser Kampf gegen die Juden der österreichischen Regierung aufgezwungen worden ist. Die Juden haben offen und insgeheim die Feinde Oesterreichs und der Monarchie bei den letzten Wahlen unterstützt, sie haben ihre reichen Mittel dazu verwendet, um alle anti - österreichischen socialdemokratischen und schönererianischen Bestrebungen zu fördern. Wollte die Regierung endlich mit diesen gefährlichen Elementen fertig werden, so musste sie das Messer da zu einer Operation ansetzen, wo die goldenen Wurzeln des Uebels sassen. Sie musste es unmöglich machen, dass die Juden und Judengesellschaften ihre finanziellen Kräfte den um stürzlerischen Elementen zur Verfügung stellen können, sie musste in erster Linie die Juden, Ihre Banken, Börse-