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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-02-01 · 2 (2.1901) · p. Seite 2

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
2 (2.1901)
Date
1901-02-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nach den Wahlen. Wenn das Gesammtergebnis der Reichsrathswahlen in einem einzigen knappen Satze zusammengefasst werden soll, so müss man sagen, dass das Votum der Wählerschaft sich wohl gegen den Clericalismus, nicht aber gegen den Antisemitismus gerichtet hat. Mit dieser Auffassung stehen die Niederlagen der Christlich-Socialen in Wien und Niederösterreich nur in scheinbarem Widerspruche. Diese Partei war und ist die demokratische Yortruppe des Clericalismus, und als solche allein, rächt als Vertreterin des antisemitischen Principes, wurde sie geschlagen. Das muss mit aller Klarheit und Schärfe ausgesprochen werden, um unsere Glaubensgenossen vor verfrühten Hoffnungen, zu denen sie durch den Siegesjubel der liberalen Blätter verleitet werden könnten, zu warnen. Allerdings ist der Judenhass erst dann zu einer wahren Sturmflut emporgeschwollen, als die clericale Partei in ihm ein wirksames Mittel zur Bewegung der Massen erkannte und ihm ihre mächtige Unterstützung lieh. Damit ist der Kampf gegen die Juden zu einem wahren Culturkampfe gemacht worden, und in dem Masse, als Bildungshass und Judenhass. mehr und mehr identische Begriffe werden, müssen die freisinnigen Parteien naturnothwendig dazu gedrängt werden, ihre taktischen Bedenken gegen eine offene Stellungnahme zum sogenannten „Judenpunkte" fallen zu lassen und sich wieder frei und ehrlich zu dem Grundsätze der confessionellen Gleichberechtigung zu bekennen. Man darf dabei freilich nicht übersehen, dass Oesterreich der complicierteste Staat der Welt ist und dass sich hier alle politischen Fragen mit der nationalen Frage verquicken. Der Nationalismus bildet ein Hemmnis für jede Entwicklung, sowohl im fortschrittlichen, wie im rückläufigen Sinne. Das haben einst die Liberalen erfahren, deren Eifer, den Verfassungsstaat auszubauen, auf unüberwindliche nationale Widerstände stiess; das erfahren jetzt auch die Glericalen, deren Niederlagen auf das verletzte Nationateefühl der deutschen CJ C Bevölkerung zurückzuführen sind. In Böhmen und in den Alpenländern ist dieses Nationalgefühl mit elementarer Gewalt zum Durchbruche gekommen, und auch in Niederösterreich hat es mitgewirkt, die Intelligenz von den Reihen der Christlich-Socialen abzuziehen. In Tirol und Oberösterreich hat man die D i p a u 1 i und Eben hoch dafür gestraft, dass sie bei dem Handel zwischen Badeni und den Gzechen die „Mauer" machten, und in Niederösterreich mussten die Christlich-Socialen dafür büssen, dass sie der deutschen Obstruction in den Rücken gefallen waien. Den geeignetsten Massstab für eine richtige Wahldiagnose bietet die Wahl in der V. Curie des Kremser Kreises. Die schmählichste aller Niederlagen hat dort der fanatischeste Parteigänger des Clericalismus, der „Jesuit im Frack" Gessraann, gegen den Schönererianer D ö t z erlitten. Gessmann ist der Schulreferent des Landes-Ausschusses; in dem Eroberungskriege der christlichsocialen Partei war ihm die Führung der Lehrer und Beamten

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