Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 104 (4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 104. Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. 3 Aus dem Protokolle der am Samstag den 9. April 1898 stattgefundenen Vereinsversammlung der „Oesterr.-Israel. Union". Vorsitzender: Yicepräsident Sigmund Mayer. Schriftführer: Sccretär Josef Fuchs. In Abwesenheit des Präsidenten eröffnete der Vicepräsident Herr Sigmund Mayer die zahlreich besuchte Versammlung, zu welcher sich die Herren Vicepräsidenten der isr. Cultusgemeinde Dr. Stern und Dr. Gustav Kohn, die Cultusvorsteher Dr. Grünfeld und Architekt Fleischer, der Präsident des Curatoriums der Isr.-theol. Lehranstalt Moriz Karpeles, Bezirksausschuss Waldstein, der Vorsteher der Chewra Kadischa S. Heit u. A. eingefunden hatten. Nachdem der Vorsitzende die Mittheilung machte, dass die in der letzten PlenarVersammlung erwähnten drei Petitionen wegen der Excesse in Wieliczka, wegen des Antrages des Abgeordneten Schlesinger, bezüglich der Erhebung der wirthschaftlichen Verhältnisse der Juden und wegen der Haftpflicht der Gemeinden für alle durch öffentliche Unruhen verursachten Schäden und Verletzungen dem Reichsrathe durch die Herren Abgeordneten Hofrath Kareis und Dr. Ferd. Kronawetter überreicht wurden, ergriff Letzterer das Wort zu seinem Vortrage: Adolf Fischhof und die Yerfassungskämpfe der Gegenwart. Dr. Kronawetter, mit stürmischem Beifalle begrüsst, sagte: Verehrte Anwesende! Es obliegt mir die Aufgabe, über einen Mann zu sprechen, der zu den hervorragendsten und grössten Männern gehört, welche die freiheitliche Aera geschaffen hat, über unseren Dr. Adolf Fischhof, über seine politischen-Bestrebungen und in Anknüpfung daran über die traurigen Verhältnisse der Gegenwart. Mit prophetischem Geiste hat er Jahrzehnte vorher das Eintreten aller jener Uebelstände angekündigt, an welchen wir heute laboriren und die wir vergeblich zu beseitigen uns bemühen. Es herrschen die ärgsten nationalen und confessionellen Hetzereien und im Hintergrunde lauert die düsterste Reaction, welche uns in Zeiten zurückversetzen will, von denen wir geglaubt haben, dass sie zum Wohle und zu Ehren der Menschen für immer entschwunden sind und nie mehr