Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 10 (1898)
- Issue
- 103 (4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. Xr. 103. Aus dem Protokolle der am Samstag den 26. März 1898, stattgefundenen Vereinsversammlung der „Oesterr.-Israel. Union". Vorsitzender: Präsident Wilhelm Änninger. Schriftführer: Secretär Josef Fuchs. Unter grosser Betheiligung seitens zahlreicher Mitglieder und Gäste, unter welchen man die Herren Vicej)räsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern und Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, die Cultusvorsteher Dr. Grünfeld. Architekt Fleischer, Baurath Stiassny, den Vorsteher der Chewra-Kadischa Emil Horner u. A. bemerkte, eröffnete der Vorsitzende die Versammlung und ertheilte Se. Ehrwürden dem Herrn Rabbiner Dr. Adolf Schmie dl das Wort zu seinem angekündigten Vortrage: „Das Jahr 1848 im Lichte der Culturgeschichte". Derselbe sagte: Geehrte Versammlung! Sie haben an mich, als einen Zeitgenossen des denkwürdigen Jahres 1848 — der ich schon damals fast zwei Jahre im Amte als Eabbiner und Prediger stand — die Einladung gerichtet, in einem culturgeschichtlichen Rückblick den sittlichen und geistigen Zustand zu zeichnen, in welchem das plötzlich hereingebrochene Freiheitsjahr das Judenthum unseres Vaterlandes vorgefunden hatte. Nun denn — ich gehe somit daran, an der Hand culturgeschichlicher Daten und Thatsachen den Beweis zu erbringen, dass m i 11 en in der tiefsten socialen und politischen Depression das Judenthum der vormärzlichenZeit auf einer achtunggebietenden Stufe sittlicher und geistiger Entwicklung dastand. Ich knüpfe aber da vor Allem an einen' bekannten Satz an, welchen wir schon in wenigen Tagen bei der religiösen Feier des Sederabends recitiren werden. Er lautet: „Es geschah einmal in einer Nacht, da sass ein Kreis von Männern hervorragender Gelehrsamkeit in einer Tafelrunde beisammen — und siehe da, die endlos lange Nacht hindurch hörten sie nicht auf, immerfort zu sprechen von Freiheit, von Erlösung und Befreiung aus Druck und Knechtschaft, bis plötzlich, sich die Thüre öffnend, es hereinrief: Ihr Lehrer und Meister! hört, die Nacht ist zu Ende, die goldene Sonnenscheibe ist leuchtend aufgegangen, der Morgen ist angebrochen — lasst uns vereint ausrufen: Höre, Israel, der Ewige unser Gott ist einig, einzig!"