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Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1898-03-01 · 101 (3.1898) · p. Seite 11

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Journal
Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
10 (1898)
Issue
101 (3.1898)
Date
1898-03-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 101. Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. 11 er wolle jedoch, wieder dort anknüpfen, wo die jüdisch-arabische Medicin aufgehört habe. Er wurde angefeindet, vor ein Ketzergericht gestellt, und es wurde ihm eine Busswallfahrt nach Palästina aufgetragen. Unter solchen Umständen konnte es kein Jude wagen, Anatomie zu treiben, und es währte dieser Zustand bis in die erste Hälfte unseres Jahrhunderts. Auch jetzt war es nur jenen möglich, die besondere Thatkraft und Energie an den Tag legten. Einer von ihnen war Marcus Elieser Bloch. Er ist bei Bayreuth geboren und kam nach Hamburg, ohne deutsch zu können; er sprach nur den Jargon und hebräisch. Als 18jähriger Junge lernte er deutsch, dann lateinisch und er trat bei einem Barbier in die Lehre. Schon damals stellte er Untersuchungen über vergleichende Anatomie, namentlich der Fische an, und seine Sammlung ist heute noch sehr geschätzt; sie bildet einen wichtigen Bestandtheil der anatomischen Sammlung des Berliner Universitätsmuseums. Mit Aufopferung seines Vermögens und seiner Gesundheit betrieb er privatim naturwissenschaftliche Studien, weil er sie an der Universität nicht pflegen konnte. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhofe der alten jüdischen Gemeinde Lichtenstadt bei Karlsbad. Er war der Erste, welcher in neuerer Zeit die Medicin auf naturwissenschaftlicher Grundlage studirte. Es ist interessant, dass die Juden in der Medicin immer jenen Disciplinen sich zuwenden, welche nicht besonderen Lohn versprechen. Die Juden, die sich in der Gegenwart der Medicin zugewendet haben, haben nicht als Therapeuten, sondern als Physiologen begonnen. Sie wendeten sich dem Studium jener "Wissenschaften zu, welche die Erkenntniss der Lebensfunctionen zum Zwecke haben, weil sie noch immer eine Nation sind, deren eigentliche Aufgabe ist, zu erkennen, zu wissen. Ein Prototyp dieser Classe von Juden ist der berühmte Physiologe Valetin, der, trotzdem er die Grundlage zur heutigen Lehre von der Entwicklung, die Grundlage zur Erkennung des mikroskopischen Baues gegeben hat, in Deutschland nicht einmal eine Docentur erlangen konnte. Diese Eigenthümlichkeit der jüdischen Aerzte ist etwas, was uns darüber beruhigen kann, dass nicht wieder eine Zeit kommen wird, wo man sie von der Wissenschaft wird abstossen können, und zwar darum nicht, weil sie immer an dem Principe der Bibel festhalten: Ato jodaito — Du sollst erkennen, Du sollst wissen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) * * Nachdem der Vorsitzende dem Vortragenden für seine glänzenden Ausführungen namens des Vorstandes dankte, wurde die Versammlung auf eine halbe Stunde unterbrochen. Nach Wiedereröffnung derselben besprach Herr Bezirksausschuss Dr. Oscar Hein in eingehender Weise die Vorgänge im niederösterreichischen Landtage, insbesondere die Aeusserung des Abgeordneten Schneider: „Wir führen ein Schussgeld für die Juden ein." Redner wies darauf hin, dass diese Aeusserung

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