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B'nai B'rith · 1926-03-01 · 3 (3.1926) · p. Seite 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
3 (3.1926)
Date
1926-03-01
Page
Seite 80 (sequence 24)
Language
German
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80 Bücher und Zeitschriften. Hugo Herrmann: Eine werdende Welt. Reiseeindrüeke au« Palästina. Verlag Dr. Josef Fleisch. Prag.) Ich möchte hier ein Buch anzeigen, das zwar schon vor mehr als einem halben Jahre erschienen ist, aber, wie mir scheint, von den Brüdern noch nicht genügend gewürdigt wird. Es ist das Reisebueh von Br. Dr. Hearmanm (..Moravia"). Vielleicht hat die Aufnahme diese« Buches etwas darunter gelitten, daß gleichzeitig, wie überhaupt in der letzten Zeit, eine ganze Reihe von Büchern über Palästina erschienen ist. so daß das Interesse naturgemäß zersplittert Avurde. Insbesondere wurde es auf das Buch von Saiten gelenkt, das in dem sehr rührigen Verlage vom Zsolnay erschien und Reflexionen eines bekannten Literaten über Palästina enthält. Aber es sind eben Reflexionen, während der große Vorzug des Buches von Br. Hernnann darin besteht, daß zwar das Ganze in einem durchaus persönlichen, temperamentvollem Stile geschrieben ist. durchwegs auf eigenen Erlebnissen und Eindrücken beruht, dabei aber von einer außerordentlichen Objektivität und rberpersönlichkeit ist. Daß der Verfasser nicht als ein Außenstehender, sondern als ein Mann, der seit nahezu zwanzig Jahren in der zionistischen Bewegung steht und seit langem in ihr eise führende Position einnimmt, nach Palästina gegangen ist. wirkt sich vor allem darin atis. daß er die Dinge, die er dort sali, mit Kritik sehen konnte, da er die gesamte Literatur genau kennt, ferner darin, daß er nicht an der Oberfläche der Erscheinungen haften bleibt, sondern m Gelegenheit hat. mit den führenden Personen der Arbeit in Palästina in enge Berührung m treten, ebenso aber auch denjenigen Menschen ganz nahezukommen, die sozusagen die Arbeit aus erster Hand leisten und die sonst den Touristen kaum zugänglich sind. Im übrigen sieht der Vefasser nicht nur die schönen und erfreulichen, sondern auch die weniger erquicklichen Seiten des Landes und seiner Entwicklung sehr wohl. Und er geht nicht darauf aus. die Tatsachen irgendwie tendenziös zu gruppieren, sondern seine Absicht ist es. so viel Tatsächliches zu bringen, als in den Rammen eines schmalen Bandes zu pressen ist. Wirklich kann man in dem Buche so ziemlich auf alle Fragen Antwort finden, die sich dem Laien und selbst dem Fachmann« immer wieder aufdrängen: Klima, wirtschaftliche Verhältnisse, Verkehrswesen und kulturelle Zustände, die Sprachenfnage. Verhältnis zur arabischen Bevölkerung, vor allem aber die Fragen, die mit der Schaffung eines neuen Gesellschaftszusitandes zusammenhängen, — all das findet in dem Buche eine zwar naturgemäß nicht erschöpfende, aber gründliche und immer interessante Behandlung. Zwei Dinge sind es. die Br. Herrmann auf seiner Reise unbedingt als Erfreuliches erschienen sind: die Natur des Landes selbst und der Geist der jüdischen Arbeiter. So nimmt auch die Schilderung des Lebens und der Ideenwelt der jüdischen Arbeiter, vor allem auf dem flachen Lande, den breitesten Ramm in dem Buche ein. Auf der anderen Seite verhehlt der Verfasser nicht seine Bedenken gegenüber gewissen wirtschaftlichen Entwicklungen und seine leise Enttäuschung darüber, daß das gesellschaftliche Leben in Palästina (in weitestem Sinne) auch nicht viel besser ist als in unserer alten europäischen Welt. Bei aller Bescheidenheit, mit der dieses Buch auftritt, möchte ich es aber, ganz abgesehen von seinem dokumentarischen Wert, auch vom künstlerischen Standpunkte werten. Es ist geradezu architektonisch aufgebaut: zehn Kapitel von je ungefähr vier gleich langen Abschnitten behandeln zunächst das Land im allgemeinen, dann die Bedingungen und Formen der jüdischen Siedlung und ihre hauptsächlichsten Triebkräfte, von wirtschaftliehen und gesellschaftlichem bis zu den innerlichsten, den religiösen. Jedes Kapitel und jeder Abschnitt für sich bildet ein kleines, abgerundetes, in sich geschlossenes Ganze und die im ersten Kapitel angeschlagenen Motive finden im letzten ihren AusMang. ihre Erfüllung. Nicht: ohne tiefe Bewegung wird man im -ersten Kapitel ilem' Abschnitt ..Das Judenschiff" lesen, der die Fa'hrt auf dem von Obaluzim bevölkerten Dampfer von

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