B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 3 (3.1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 74 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Als Vorarbeit für diesen Bericht wurde veranlaßt, daß im April 1922 eine internationale Konferenz unter Patronanz des pädagogischen Institutes J. J. Rousseau in Genf abgehalten wurde, mit dem Zwecke, sich mit dem Esperantounterricht in den Schulen zu befassen. Hier sei insbesondere auf das an alle Lehrer der Welt gerichtete Manifest hingewiesen, in welchem es heißt: „Wir Erzieher aus 28 Ländern und offizielle Delegierte von 16 Regierungen geben der Überzeugung Ausdruck, daß die •Grundursache des jetzigen bedauernswerten Zustandes, in welchem sich die ganze zivilisierte Welt befindet. Mißverständnis und Mißtrauen ist, das die Völker von einander trennt. Wir sind weiters überzeugt, daß das einzige sichere Heilmittel gegen ■dieses Übel die Erziehung zur Menschlichkeit und die Verwirklichung des Grundsatzes einer internationalen Annäherung ist, für welche der Völkerbund eintritt. Wir betrachten als einen der wertvollsten Beiträge zur Lösung des Problems des Wiederaufbaus die internationale Hilfssprache Esperanto und sind der Meinung, daß diese neben den nationalen Kultursprachen ein Teil des Er/.iehungsprogramms in jedem Lande sein muß. Wir haben festgestellt, daß Esperanto vollständig hinreicht zum praktischen Gebrauch als internationale Sprache für alle Zwecke des Sprechens und Schreibens, für welche eine Sprache benötigt wird. Sie besitzt zudem bemerkenswerte Eigenschaften, welche ihren Wert als Erziebungsanittel beweist. Esperanto ist wertvoll als Mittel für den richtigen Gebrauch der Muttersprache. Dies zeigt sich in besserer Aussprache, in treffen- ■derer Wahl der Worte, genauerer Kenntnis der Wortbedeutung und klarerem Verständnis der grammatikalischen Regeln. Esperanto e rleichtert die Aneignung moderner und klassischer Sprachen, indem es internationale Wortstämme liefert und den Geist des Schülers gewöhnt, sich in mehr als einer Sprache auszudrücken. Nach unserer Meinung soll Esperanto als erste Sprache nach der Muttersprache unterrichtet werden. Wir konnten feststellen, daß die Kenntnis von Esperanto bei den Schülern reeleres Kennen von Geographie, Weltgeschichte und auch Moral, ein gesteigertes Interesse für fremde Völker, deren Gebräuche, Literatur und Kunst geweckt hat. Es erzieht die Kinder für den Weltfrieden und vertieft in ihnen das Ideal des Völkerbundes. Dies wird praktisch verwirklicht durch den Austausch von Briefen, Postkarten und Zeichnungen unter den Kindern der verschiedensten Länder, durch die Lektüre internationaler Esperanto- Journale und das Studium fremder Literatur." Bevor ich zu der denkwürdigen Völkerbundversammlung selbst übergehe, will ich noch erwähnen, daß mittlerweile das dem Völkerbund angegliederte internationale Arbeitsamt in Genf Esperanto als gleichwertige Sprache für seine Sitzungen und Korrespondenzen angenommen hat. Betreffs Deutschlands, das dem Völkerbund noch immer nicht angehört, will ich nur kurz erwähnen, daß das vor dem Kriege geschaffene königlich sächsische Esperantoinstitut, nunmehr als Reichs-Esperantoinstitut in Berlin dem Ministerium des Innern untersteht und daß die weltbekannte Verlagsfirma Rudolf Mosse in Berlin eine Esperant oabteilung gegründet hat, daß sie in einigen ihrer Veröffentlichungen Esperanto bereits praktisch benützt — z. B.