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B'nai B'rith · 1926-02-01 · 2 (2.1926) · p. Seite 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
2 (2.1926)
Date
1926-02-01
Page
Seite 50 (sequence 26)
Language
German
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50 um nacht in der engen Weise nur als Beziehung von Mensch zu Mensch verstanden werden, vielmehr stellt auch die geistige Arbeit in Wissenschaft und Kunst sittliches Handeln dar. Der ewige Jude. In einem Artikel, der wegen der Neuheit und Eindringlichkeit seiner Idee viel Aufsehen erregt hat, glaubte Wilhelm Michel den Hauptfehler des jüdischen Charakters (namentlich dem Deutschen gegenüber) darin gefunden zu haben, daß sich die Juden dagegen wehren auszusterben, daß sie sich sozusagen der Natur entgegenstellen, die auch den Völkern nur eine bestimmte Lebensdauer zuweist. Im letzten Sonderheft des ..Juden" nimmt er diesen Gedanken wieder auf. ..Das Wehren gegen den Unter- und Übergang, das liier mit freier, fast frecher Stirn hervortritt, hat etwas Gigantisches, etwas Großartiges. Ja. es hat etwas, das die Juden von einer gewissen Seite her berechtigt, auf alle anderen Völker als auf ewige, jünglinghafte Eleven des Daseins herabzublicken. Aber gerade in dieser ungeheuren, beispiellosen Leistung muß der Deutsche, ob er will oder nicht, eine Vermessenheit, eine mystische Sünde sehen, einen Mangel an jener letzten Frömmigkeit, die auch den Tod und g erade den Tod liebend einbezieht in den großen Reigen des Geschehens, das sich am Menschen vollzieht . . . Alle jüdischen Segenswünsche klingen aus: Du wirst leben! Alle Flüche dieses Volkes: Du wirst vergehen! . . . Jüdische Friedhöfe sind herrlich in ihrem Gewährenlassen der Natur gegenüber. Aber noch die elende, weißlackierte Gartenbank, die grelle, gläserne Ordnung, die ein deutsches Grab verunziert, zeugen von dem Willen, den Tod ins Leben einzubeziehen." Martin Bub er antwortet darauf in dem gleichen Hefte in -einer Weise, die für die Erkenntnis jüdischer Bücher und Heinrich Heine: Confessio Judaica. (W e 11 - V e r 1 a g, B e r 1 i n.) Das Judentum Heines ist gewiß in seinem ganzen Werke fühlbar. Aber trotzdem ist bei keinem jü- Ethik bedeutsam ist: „Mir scheint, daß hier nicht genügend zwischen zwei Sphären geschieden wird, der des Volks und der des Einzelnen. Beim Judentum meint Michel zweifellos beide: das Volk sträube sich gegen den Volkstod und der Einzelmensch gegen den Einzelmenschentod. Alter meint er auch beim Deutschtum beide? Wo und wann in der Geschichte hätte sich das deutsche Volkstum nicht gegen den Volkstod gesträubt? Oder irgend eines, che seine Stunde geschlagen hatte? End wer vermäße sich, die des Judentums von der Weltuhr ablesen zu wollen? Sollen aber jene äußersten heldischen Momente gemeint sein, in denen Scharen eines andern Volks ..lieber tot als Sklaven" sein möchten, wohl, so haben wir unser Masada und unser Betas gehabt .... Wie verhall es sich denn nun mit dem jüdischen ..Wehren gegen den Unter- und Übergang?" Gewiß, alle \ erheißungen sagen: Leben. So entsorechen sie den naturgercditen Grundfesten des Judentums. Aber ist das wirklich das Leben des Einzelnen, oder nicht vielmehr immer wieder das des ..Samens"? Auch wo dem Einzelnen, ein langes Leben verheißen wird, erweist sich der Sinn als auf den Zusammenhang der Geschlechter gerichtet. Wohl, der einzelne Jude hält sich unbändig am Leben. Aber... haben Sie vargessen, was geschah, als einer . . ., weil er dem Verbot der Römer zum Trotz die Thora öffentlich gelehrt hatte, in eine Thorarolle gehüllt Hilf dem Scheite? häufen stand? Die Flamme hatte, durch die zerfallende Thorarolle dringend, ihn erfaßt: „Das Pergament verbrennt", schrie er, „die Lettern fliegen empor"; da sprang der römische Scharfrichter zu ihm ins Feuer. Und das Volk — sollte sein Sichsträuben gegen den Tod nicht in jener Verheißung des Lebens für den ..Samen", den zu einem fernen Ziel gebrauchten, begründet sein? ..." Zeitschriften. dischen Dichter, der in deutscher Sprache schrieb, der bewußte und betonte Zusammenhang mit dem Judentum so deutlich, wie bei Heine. Es war darum ein glücklicher

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