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B'nai B'rith · 1926-02-01 · 2 (2.1926) · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
2 (2.1926)
Date
1926-02-01
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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32 Die Berichte der Logen. Die Logen unseres Distriktehaben ihre Tätigkeitsberichte über das .abgelaufene Jahr der Großlüge bereits eingesendet. Es sind kurze Berichte, fast nüchterne Daten. Anlässe für den Wissenden, hinter dem engen Wortgerüste ein weites Gebiet von Arbeit und Hingebung zu ahnen. Das Pathos werbender Darstellung wird man hier nicht erwarten. Hier kann es nicht darum gehen, durch schönere und reichere Worte die Bilanz eines Jahres ins Gleichgewicht zu 'bringen. Diesen Geschäftsberichten ist das wahre Ergebnis nicht zahlenmäßig zu entnehmen. Denn es ist nicht das Interesse an einer Produktionshöhe, das die Brüder einer Loge zusammenführt, sondern das Interesse an Ideen und die Liebe zu einer Gemeinschaft, also Posten, die man nicht ziffernmäßigausweisen kann. Aber gerade diese 'sollte man aus den Berichten herauslesen können und brüderlich verstehen. Es gibt nämlich ein brüderliches Verstehen, das sich auf die unmittelbare Wirkung von Bruder zu Bruder gründet und es gibt ein brüderliches Verstehen ganzen Brüdergemeinschaften gegenüber; es gibt sozusagen ein individuelle« und es gibt ein allgemein soziologisches Brndergefühl. Beide sind Wege zu sittlichem Mitmenschentum. Gerade die Art, wie die seddichten Geschäftsberichte fremder Logen gelesen wenden, ist ein Pegel, der die Höhe soziologischen Brudergefühls mißt. Erst unter solcher A^oraussetzung bekommen feststellende Beobachtungen überhaupt einen Wert. Hier sei nur auf die \Tortragsverzeicbnisee hingewiesen, die schon im Juni- und Dezemberhefte des vorigen Jahrganges veröffentlicht wurden. Es gibt zwei Gruppen von Logenvorträgen, solche, die das Logenleben betreffen (Referate über Tagungen, Organisationsfragen) und solche, die ein Stück wirklichen Lebens wegen seines allgemein ethischen Charakters oder besonderen jüdischen Interesses in die Logensitzung hineintragen. Es ist fraglos, daß man eine Diskussion über Logenangelegenheiten noch nicht als einen Beweis für ein reiches geistiges Leben in der Loge betrachten muß. Wer nur über sich selbst spricht, ergründet, sieh damit noch nicht. Man muß sich von außen her sehen können, man muß sich sehen lernen. In jeder Sitzung sollte etwas den Brüdern g-eboten Verden, das die Wände des Logentempels ins Unendliche hinaus dehnt, dann erst seilte man zu sich selbst zurückkehren. Einkehr ist das tiefste sittliche Erlebnis des Menschen. Wer immer nur au Hause bleibt, erfährt es nicht, und wer immer nur die Weite sucht, auch nicht. Erst aus der Doppelbewegung ergibt sich der wahre Sinn der Einkehr. Es zeigt sich nun. daß die Logen der größeren Städte es unverhältnismäßig leichter haben, über referierende Vorträge hinauszukommen. Ihnen steht ein größeres Brudermaterial zur Verfügung. Die kleineren Logen machen eben die Entwicklung durch, die früher allgemein war: daß man sich in den Logensitzung-en vor allem mit inneren OrganNation-fragen beschäftigte. Gewiß haben diese Referate in kleineren Logen einen höheren Wert für brüderliche Verbundenheit, als es die gleichen Referate in einer großen Loge haben können. Es sollte aber doch erwogen werden, wie neben diese gewiß wichtigen Referate als Hauptprogrammspunkt allgemeine Vorträge zu setzen wären. Die Entwicklung unserer Logenprogramme geht dort.

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