B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 1 (1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 sal der Gestalten an ihm erfüllt hat, daß man geradezu von einem Reubeni-Gedanken sprechen kann, ohne Rücksicht auf die Geschehnisse des historischen Romans selbst. Die Lust am Bösen, in welche der klagende Strindberg die Welt gestürzt sah, ist hier abgelöst von der monotheistischen Liebe zum guten Sinn der Welt: das Böse wird das Werkzeug des Guten. Auch mit dem bösen Triebe Gott lieben, ist vollkommene Liebe. Das bedeutet nicht, daß der Zweck die Mittel heiligt. Der Reubeni-Gedanke sagt vielmehr, daß das Böse wie ein Schicksal in unser Leben hereinbricht, daß wir nicht die Möglichkeit haben (wie es bei einem „Mittel" der Fall wäre) zwischen Gut und Böse zu w ä h 1 e n. Nicht wir ergreifen das Böse, sondern das Böse ergreift uns, aber wenn wir es rein und mit „ganzem Herzen" zu lieben wissen, wird es ein Werkzeug des Guten. So werden Reubeni, der von vielen Lichtern durchzuckt, und sein Freund, Salomo Molcho, der an einem einzigen Strahl sich verzehrende, Werkzeuge des Guten. Sie gehen an der Welt zugrunde, nicht an ihrem Schicksal, das sie überlebt. Wie männlich ist doch dieser Roman! Freundschaft, Liebe zum Volke, die großen politischen Geschehnisse der Renaissance sind seine Welt. Aber über all dem wölbt sich der neue Reubini-Gedanke mit seinem unendlich tiefen Monotheismus. T. Dr. Ernst Rychnovsky: Smetana. Deutsche Verlangsanstalt Stuttgart. Diese Biographie, die sich würdig den bedeutendsten ihrer Art anreiht — ich nenne nur Paul Bekkers „Beethoven", Richard Spechts „Mahler" — gibt uns ein umfassendes Bild vom ganzen Lebensschicksal dieses Unsterblichen. Unter den lebendigen Schilderungen Rychnovskys fühlen wir es mit, leiden wir es mit: wir begleiten den Meister von den ersten Jugendtagen als Bauernjungen über seine Studienjahre, seine Unterrichtstätigkeit bis zu seiner Kapellmeisterlaufbahn und schließlich zu seinem tragischen Tode im Irrenhause. Von großem Interesse ist die eingeflochtene Geschichte des böhmischen Nationaltheaters. Gesondert werden schließlich die Werke Smetanas unter vollster Beherrschung der Materie kritisch und analytisch beschrieben. Es ist ein nicht zu unterschätzender Vorzug des neuen Smetanabuches, daß es für den Musiker wie für den Nichtmusiker gleich fesselnd und lehrreich ist. K. W. Sonderheft des „Juden". Jüdischer Verlag, Berlin. Mk. 2.80. Dieses hochbedeutsame Heft umfaßt auf 137 Seiten eine Ueberfülle wertvollster Artikel erster Autoren. Sein Hauptthema ist: „Antisemitismus und jüdisches Volkstum." Viele Nichtjuden, wie Hermann Stehr, Otto Flake, Oskar Schmitz, Wolfgang Schumann, Wilhelm Michel, Alfons Paquet, eBrnard Shaw, Heinr. Mann. Rudolf G. Binding äußern sich in ausführlicher Weise, und wie es großen Richtern zukommt, ohne Furcht ob sie den Juden oder Nichtjuden mißfallen, zu der Frage. Arnold Zweig leitet das Heft mit einem glänzend geschriebenen Artikel über den „Juden in der deutschen Gegenwart" ein, Martin Buber beschließt den Hauptteil mit einer Richtigdeutung des „Pharisäertums" unter Bezugnahme auf einige der vorausgehenden Arbeiten. Man kann wohl sagen, daß dieses Heft ein Dokument von dauerndem Werte ist, für unsere Zeit ein Spiegelbild des Juden in der Welt, und damit auch ein Spiegel, um sich selbst zu schauen. Selbstschau aber ist die Voraussetzung sittlicher Selbstbildung, -er. Personalnachrichten. Einführungen in die w. „F r e u n d s c h a f t" am 9. Mai 1925 die Br.: Ernst Kominik, Architekt, Teplitz, Dr. Fritz Hahn. Advokat, Teplitz, und Dr. Heinz Schleim, Advokaturs-Konz.. Teplitz; am 5. Dezember 1925 die Br.; Emil Klein, Fabrikant, Bilin, Adolf Reiser, Fabrikant, Turn, Emil Reiser, Fabrikant, Teplitz. Sterbefälle. Br. Ignaz Brüll, Fabrikant in Proßnitz, gestorben am 14. Dezember in Wien, eingetreten in die w. „Moravia" am 31. Jänner 1914.