B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 8 (10.1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MONATSBLÄTTER DER GROSSLOGE FÜR DEN CECHOSLOVAKISCHEN STAAT X. I. O. B. B JAHRGANG IV. NUMMER 8. OKTOBER 1925. Aus dem Inhalt: Salomon Ehrmann: Böhmische Dorfjuden. — Die Arbeitsgemeinschaft der außeramerikanischen Distrikte und Logen. (Konferenz in Prag.) — Umschau. — Personalnachriditen. Salomon Ehr m an»: Böhmische Dorfjuden. Erinnerungen aus früher Jugend. Der böhmische Dorfjude wurde wiederholt belletristisch geschildert: Von Leopold Kompert „Am Pfluge", von Moritz Hartmann „Die Kinder des Randars" und in der letzten Zeit von Vojtech Rakous (Adalbert Oesterreicher) „Vojkovsti a prespohri". Die von Kompert und Rakous gezeichneten Gestalten und das Milieu sind ja vielfach sehr realistisch aufgefaßt, richtig gesehen und gut geschildert und doch sind es künstlerische Produkte und haben behufs künstlerischer Wirkung manche Retouche erfahren. Außerdem sind sie nicht ohne Tendenz geschrieben. Bei beiden ist die Tendenz mehr oder weniger assimilatorisch, bei Kompert im Sinne der ersten liberälisierenden Emanzipation, bei Rakous im Sinne der cechischnationalen Bestrebungen. Die echt-realen Schilderungen, um ihrer selbst willen, wie wir sie in der östlich-jüdischen Literatur finden, bei Schalom Asch, Scholem Alechem, bei Perez u. s. f. sind es nicht, wie überhaupt die westliche Literatur dieser Art sich wesentlich von der östlichen unterscheidet. Berthold Auerbach zeichnete dem Geschmack seiner Zeit entsprechend nur schöngefärbte, unwirkliche Gestalten; die Erzählungen von Aren Bernstein aus dem Leben der östlichen deutschen Provinzen: Posen, Ostpreußen usw., waren bald volkstümlich mehr oder minder naiv, bald talmudisch zugespitzt, humoristisch. Ein eigentliches jüdisches Volksleben, aus dem der Schriftsteller schöpfen kann, gibt es eben nur im Osten. Im Westen ist nirgendwo die jüdische Bevölkerung zahlreich genug, um ein eigentliches Volksleben entwickeln zu können. Es waren früher wesentlich das religiöse Leben, die wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und politischen Zustände im Verhältnis zur