B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 7 (9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 208 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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208 provisation Br. Prof. Wallersteins den Logensaal und nahmen, nachdem sie der s. w. Großpräsident unseres Distriktes, Dr. Josef Popper, den Brüdern vorgestellt hatte, auf der Präsidentenestrade platz. Der Präsident begrüßte auf ehrfurchtsvollste den s. w. Gr.-Pr. des deutschen Distriktes, Dr. B a e c k, und des polnischen, Dr. Adler, den s. w. Vize-Gr.-Pr. Dr. Edmund K o h n des österreichischen, den Br. Gr.-Sekretär Dr. B e h a r des Konstantinopler und .schließlich den s. w. Gr.-Pr. unseres Distriktes. Dr. Josef Popper. Er verwies darauf;, daß die Zusammenkunft in einer Zeit erfolge, da uns ungerechter Haß und Verleumdung täglich in uer niedrigsten tonn entgegentreten; diese Zusammenkunft gelte uns vor allem als Beweis dafür, daß die Tempelstätten, die dem Orden in Europa errichtet wurden, einer Idee geweiht und einer Idee dienstbar bleiben sollen. Mit berechtigtem Stolze dürfen wir sagen, daß unser Orden die einzige große jüdische Organisation in Europa ist, die nicht von inneren Parteikämpfen zerklüftet ist. Als Bekenner des Ordens stehen wir treu zu unseren Führern, die selbstlos das Glück der anderen vorbereiten. Schließlich wünschte er, daß die Tagung den Orden ausbauen möge als ein Gebäude, in dem die heiligen Flammen vom ewigen Urfeuer der Menschenliebe lodern, als ein Gebäude, in dem sich alle Brüder, alle Menschen behaglich und wohnlich zusammenfinden können. Er begrüßte sodann die Mitglieder des Generalkomitees, den Präsidenten der London-Loge, Dr. D a i c h e s, die Präsidenten und Expräsidenten der Distriktslogen und alle anderen Brüder. Sodann hielt der s. w. Gr.-Pr. der deutschen Großloge. Dr. Leo Baeek, seinen Vortrag über „Amerika". Nach warmen Worten des Dankes an die Brüder, die ihrer reichsdeutsehen Brüder in den Zeiten schwerer Not nicht vergessen hatten, schilderte er in mehr als einstündiger freier Rede das Amerika von heute als das Land der Freiheit, das Land, das nicht die Lasten Jahrhunderte alter Kultur trägt, das Land, dessen Kultur erst jung ist. was ihm die eigene Physiognomie gebe. Amerika ist der Typus des Kolonisationslandes. Amerikanismus bedeutet Gleichmachung und Gleichheit, eine Uniformierung, die sich in allen Einzelheiten kenntlich macht. In den Dienst des Amerkanismus haben sieh auch die Logen gestellt. Auch sie wollten aus jedem ihrer Mitglieder einen ganzen Amerikaner machen. Aber jetzt, da ihnen diese Aufgabe gelungen, sind die amerikanischen Logen auf einem kritischen Punkt angelangt. Die Tagung in Atlantic City war charakterisiert durch dieses Suchen nach neuen Aufgaben. Ein zweiter Grund ist aber auch der. daß die alten Führer, die aus Europa hinübergekommen waren, nun nicht mehr sind. Sie haben den Zusammenhang mit Europa aufrechterhalten: die neue Generation aber, die in Amerika geboren ist. ist bereits amerikanisiert und durch den Krieg und die Nachkriegszeit in einen Gegensatz gegen Europa hineingeführt worden. Aber auch drüben beginnt jetzt eine neue Zeit, die Probleme des Jahrhunderts beginnen nun auch zum- Amerikaner zu sprechen. Br. Vortragender schloß: Drüben ist eine andere Art als hier, aber drüben und hüben will es ein Weg zum Ideal sein, zu unserem Ideal, dem Ideal des Glaubens an all das Gute, das je im Menschen lebte, das im Menschen immer leben wird, der Glaube an Brüderlichkeit, an