B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 6 (6.1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 179 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9582244-9582244-9598139-9598306--0819-9598333- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
179 gezahlt, das war mehr, als jeder andere Kommis in diesem Geschäfte erhielt. Als ich dort ungefähr vier Monate angestellt war, lud mich eines Abends Herr N. N. in seine Wohnung zum Diner ein. Als wir nach der Mahlzeit allein waren, sagte Herr X. X. zu mir: ,.Ich habe Ihnen einen Vorschlag zu machen, den Sie sofort vergessen müssen, wenn Sie es ablehnen sollten, ihn anzunehmen. In dem Gebäude, wo das Hotel X. X. ist, steht ein Geschäftsladen leer. Mieten Sie ihn in Ihrem eigenen Namen für ein Jahr, lassen Sie Regale aufstellen und ich werde Ihnen ein Lager Schuhwaren liefern. Sie betreiben das Geschäft als Eigentümer. Kommen Sie mich nicht besuchen. Wenn die Handelsbehörden von Ihnen eine Aufstellung verlangen, machen Sie keine und sagen Sie ganz einfach, Sie kaufen per Kassa. Lassen Sie sich auf Ihren eigenen Namen ein Bankkonto eröffnen. Betreiben Sie das Geschäft strikt per Kassa. Keiner darf wissen, daß ich an dem Geschäfte interessiert bin. Sie können in dem Hotel auf meine Kosten leben und ich werde Ihnen wöchentlich 25 Dollar Gehalt zahlen, oder wenn Sie es lieber wollen, können Sie am Ende des Jahres den ganzen Netto- Ertrag statt eines Gehaltes bekommen." Ich hatte damals noch nicht genügende Erfahrung', um wegen der Motive, mit denen Herr X. X. sein Anerbieten begründete, Verdacht zu schöpfen und ich nahm den Vorschlag an. Ich führte das Geschäft ungefähr zehn Monate. Eines Tages erschien Herr--in dem Geschäft. Er sah sich im Laden um, nahm Einblick in die Buchführung und legte mir dann eine Verkaufsnota für das Geschäft vor. Er bat mich, dieselbe zu unterschreiben und erklärte, er werde das Geschäft jetzt selbst übernehmen. Als Zahlimg bot er mir den ganzen Reinertrag nach Aufnahme des ganzen Inventars, oder tausend Dollar bar. ohne Inventar. Ich sagte ihm, •der ganze Nutzen gehöre ihm und ich wolle die tausend Dollar annehmen. Später erfuhr ich dann, daß Herr X. X. bevor er dieses Geschäft übernahm, sich mit seinen Gläubigern ausgeglichen hatte. Ich war damals ungefähr 19 Jahre alt, aber ich sah bedeutend älter aus. In mir lebte die Wanderlust, die diesem Alter eigen ist. und ich wünschte mir, das Land anzusehen. Von Cleveland ging ich nach Louisville; dort blieb ich ein paar Tage, kaufte mir ein Pferd und unternahm eine Tour nach den Südstaaten. Die Bevölkerung im Süden hatte die Heimsuchungen des Bürgerkrieges noch nicht überwunden. Die Pflanzer waren reich an Land, aber arm an Geld, aber sie waren sehr gastfreundlich. Ich hatte ein paar Taschenspieler-Kunststückchen erlernt, die ich ziemlich gut ausführte. Gewöhnlich blieb ich auf irgendeiner Pflanzung über Nacht. Wenn ich den Vorschlag machte, für das Unterkommen zu zahlen, so lehnten gut neun von zehn jede solche Bezahlung ab. Ich unterhielt den Hauswirt und seine Familie nach dem Nachtmahl mit meinen Kunststücken und hatte dabei oft lustige Erlebnisse. In der Nähe von Murfreesboro, Tennessee, blieb ich bei einem Farmer über den Sonntag. Am Samstag abends, als ich meine Künste spielen ließ, fragte mich der Hauswirt, wo ich geboren sei. Ich antwortete: „In Böhmen." Am Sonntag nach dem Frühstück ritt der Pflanzer über Land und kam nach ungefähr einer Stunde mit seinem Schwager, gleichfalls