B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 3 (3.1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 65 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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65 Die Bnoth Brith Konstantinopels sind nicht orientalische Frauen, wie sie der deutschen Frau vorzuschweben scheinen. Sie sind mitteleuropäisch und sie sind derart, daß sie selbst Wege betreten, die vielleicht auch von mitteleuropäischen Frauen erst später einmal betreten werden dürften. Ich glaube auch nicht, daß die Brüder, die im Orient — wohlgemerkt in diesem Teile des Orients! — die Gründung von Frauenlogen fördern, eine Emanzipation von orientalischen Fesseln, eine kulturelle Befreiung erstreben müssen. Vielleicht erfüllt sie eine derartige Beurteilung durch das Abendland mit Befremdung, wenn nicht am Ende mit ironischem Lächeln. Vielleicht gibt es auch noch im zwanzigsten Jahrhundert Fragen der Entwicklung, für die das ..ex Oriente lux" Bedeutung erlangen kann. Trotz der Ähnlichkeit, mit der die hier angeschnittene Frage in Bei l in und in Prag behandelt wurde, besteht doch noch zwischen beiden Richtungen ein kleiner Unterschied: Der Mann in Berlin empfiehlt der deutschen Frau den entscheidenden Schritt: Via facti die Frauenloge zu gründen, dies selbst auf die Gefahr des Mißerfolges hin. Der Mann in Prag ist vorsichtiger: er sieht den Mißerfolg nicht als wahrscheinlich, sondern als gewiß an und rät von der Gründung der Frauenlogen ab: nicht aus relativer Gegenüberstellung von abend- und morgenländischen Frauen, sondern unter Berücksichtigung des Entwicklungsganges, den Frauenvereinigungen im Abendlande genommen. Aber wenn auch noch nicht die Zeit zur Gründung von Frauenlogen gekommen ist, so ist doch auch nicht mehr die Zeit, die Frauenvereinigungen in der Form zu führen, in der sich Logen-Frauenvereinigungen in nichts von anderen Frauenvereinigungen unterscheiden. Niemand bezweifelt deren Wert, aber sie sind nicht der Weg zur Frauenloge. Den Weg, den die Frauen aber zur Erreichung dieses Zieles jetzt schon zu betreten haben, den hat Br. Leszynsky in seinem Briefe treffend gezeichnet: und hierin deckt sich vollkommen die männliche Anschauung in Prag und Berlin, wenigstens bei jenen Männern, die Frauenarbeit fördern wollen. Frauenarbeit, die sich in solchen Vereinigungen auswirken soll, die es bisher nicht gibt: Nicht nur Vorträge halten zu lassen, nicht nur Geld sammeln, nicht n u r Geselligkeit pflegen! Die neuen Frauenvereinigungen der Logen müssen es sich zum Ziele setzen: weiblicher Persönlichkeit der Frau zur Ausbildung zu verhelfen! Beide Eigenschaften sind gleich wichtig: weiblich und Persönlichkeit; denn männliche Persönlichkeit der Frau wirkt vielleicht im Augenblicke, wird aber bald als unnatürlich empfunden und stößt ab. Und das Weib ohne Persönlichkeit wirkt physisch aber nicht psychisch. Die wenigen Frauen mit weiblicher Persönlichkeit aber können nachhaltig wirken und können ungeahnte Erfolge erzielen, bei Männern und bei Frauen in jenen großen Aufgaben, die als Logenarbeit im besten Sinne für Generationen, für die Menschheit gedacht sind. Sn.