B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 1 (1.1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Friedhof kam, der hoch über der Stadt, mitten in Feldern liegt, ein Friedhof idyllischer Ruhe. Alte Bäume, gepflegt und behütet wie die Gräber, eine kleine Fläche mit Liebe und Andacht bestellt. Als ich von dem Grabe des eben Bestatteten weggehen wollte, da forderte mich Bruder Sehablin auf, mit ihm zu gehen, er wolle mir etwas zeigen. Und plötzlich — gerade an diesem Tage, an dem ich das erste Exemplar des Bondy sehen Buches erhalten hatte — stand ich vor jenem Fleckchen Erde, in das die Urne mit der Asche unseres Bruders Josef Bondy vor sieben Jahren gebettet worden war. vor dem Grabstein, der nichts als die Worte trägt: ..Dem edlen Menschenfreunde Dr. Josef Bondy". Der rätselhafte Zufall des Lebens — und doch vielleicht kein Zufall — hatte mich zur letzten Ruhestätte des Mannes geführt, an den ich gestern mehr als sonst gedacht hatte und dessen Bild ich Ihnen heute vor Augen führen wollte. Wie immer Sie darüber denken, mit welchen Phrasen immer der eine oder andere diesen ungewollten Besuch am Grabe Josef Bondys abtun möge, für mich war diese Minute, in der ich vor seinem kleinen Grabhügel stand, ein seltenes, ein kostbares Erlebnis, ein Rätsel jenes Lebens, über das Br. Josef Bondy zeitlebens nachgedacht und gegrübelt hat. Und wenn ich heute hier von seinen Rätseln sprechen soll, ist die Erinnerung au die Persönlichkeit, die mit ihm von uns gegangen ist. in mir klarer, heller, bestimmter geworden, als sie noch gestern gewesen war. Die Worte, die ich auf seinem Grabsteine las. ohne noch zu wissen, vor wessen Grab ich stand, die Worte „dem edlen Menschenfreunde" haben mir gezeigt, worin das wahre Wesen unseres Bruders bestanden hat. Meine lieben Brüder! Wer von ihnen Br. Bondy noch persönlich gekannt hat. der wird bestätigen, daß Dr. Josef Bondy jener Bruder war. zu dem den Weg zu finden am leichtesten war. Mit keinem waren wir Jungen so rasch vertraut, keinen verstanden wir so leicht und schnell, keiner war uns so nahe, kaum daß wir ihn kennen lernten wie er. Ich war noch ein junger Journalist und ein sehr junger Mensch, noch lange nicht Ben B'rith. als ich Dr. Bondy kennen lernte und dann jeden Freitag, wenn er mit seinen Rätseln in die Redaktion der ..Bohemia" kam. begrüßen konnte. Aber ich glaube, es war das zweite oder dritte Mal. da kam er erst Sanistag vormittags, — da wartete ich schon auf ihn. nicht weil ich seine Rätsel für die Samstag-Abendzeitung brauchte, sondern weil ich i h n vermißte, den heiteren, gescheiten Menschen, den Freund, der aus seinen Augen sah, den Vertrauten, dessen Umgang Lebensfreude war. Als ich dann einige Jahre später Bruder wurde, da wurde ich zu allererst Josef Bondys Bruder. — nicht weil ich ihn von früher her kannte, sondern weil er derjenige war. der zu allen, jungen und alten Brüdern, die herzlichsten Beziehungen hatte, weil er die Menschen als Freunde sah und liebte. Und gerade aus diesem ursprünglichen Gefühl Josef Bondys heraus können wir es uns erklären, daß er als erster die Gefahren der größer werdenden Loge fühlte und das Jungbrüder-Komitee ins Leben rief, um die Fremdheit der jungen Brüder leichter überwinden und ihnen im kleinen Kreise rascher das Gefühl der Freundschaft und Brüderlichkeit einimpfen zu können. Wir alle, die wir in jenem ersten Jungbrüder-Komitee des Jahres 1917 saßen, wissen es, daß Josef Bondy