B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 10 (12.1924)
- Date
- 1924-12-01
- Page
- Seite 275 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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275 trafen. Die Aufbringung dieser enormen Kosten im Betrage von mehreren hunderttausend Kronen wurde durch Sammlungen in der jüdischen Bevölkerung unter Führung der hiesigen Brüder durchgeführt. Gleichfalls aus Anlaß der Kriegskatastrophe wurde ein Unterstützungsfond geschaffen, dessen Mittel durch Monatsbeiträge der Brüder und anderer wohltätiger Glaubensgenossen hereingebracht wurden und welcher den Zweck hatte, jüdischen Familien, deren Frhalter eingerückt waren, sowohl Lebensmittel als auch Unterstützungen im reichlichen Maße zur Verfügung zu stellen. Auch diese Aktion stand unter Leitung des Bruders Expräsidenten Dr. Fuchs, welcher damit vielfacher Not abgeholfen hat. Gleichzeitig wurde über Anregung des Bruders Sigmund C z u c z k a, durch seine hochherzige Spende und den sonstigen Beiträgen der Brüder, ein Heimkehrerfond gebildet, welcher den Zweck hatte, den aus dem Kriege zurückgekehrten jüdischen Gewerbetreibenden Mittel zur Wiederrichtung ihrer Existenz, resp. zur Neugründung eines Erwerbes durch unverzinsliche Darlehen oder Spenden zu bieten und hat auch dieser Fond im Betrage von vielen tausend Krone» seinen wohltätigen Zweck erfüllt. Neben diesen humanitären Einrichtungen, welche zumeist über Anregung der hiesigen Brüder und Mitunterstützung wohlhabender Glaubensgenossen noch heute ihre segensreiche Tätigkeit entfalten, haben sich die hiesigen Brüder auch, den übernommenen Pflichten entsprechend, mit der Förderung von Wissenschaft und Kunst auf allen Gebieten betätigt. Bei den alle vierzehn Tage abgehaltenen lokalen Zusammenkünften der hiesigen Brüder wurden wissenschaftliche Themen behandelt und durch auswärtige Fachmänner zeitweise Vorträge abgehalten, an denen auch die Angehörigen der Brüder regen Anteil nahmen. Zur Förderung des Schulwesens hat eine Reihe von Brüdern durch Anregung der Gründung neuer höherer Schulen wertvolle Dienste geleistet. So wurde vor mehr als 20 Jahren über Anregung des Bruders Expr. Dr. Hilf ein Verein zur Errichtung eines Gymnasiums gebüdet, welcher die Organisation dieser stets wachsenden Anstalt und deren Übernahme durch die Stadtgemeinde M.-Ostrau und später durch den Staat durchführte. Diese Anstalt hat der gesamten Bevölkerimg die Gelegenheit zum klassischen Studium geboten. Von demselben Bruder wurde, im Einvernehmen mit Bruder Expr. Schulrat Schwarz, die erste höhere Lehreranstalt für Mädchenfortbildung, das Mädchenlyzeum gegründet und vom letzteren durch zwanzig Jahre geleitet und zu einer der bestbesuchtesten und erfolgreichsten Anstalten dieser Art entwickelt. Das Mädchenlyzeum wurde später in ein Mädchenreform- Realgymnasium umgewandelt und erhält seitens der Stadt und dem Staate die nötigen Mittel zur dauernden Erhaltung zugewiesen. Eine weitere, sehr dringende Schöpfung zur Fortbildung auf gewerblichem Gebiete war die von Bruder Expr. Dr. Hilf, Bruder Expr. Schulrat Schwarz und Bruder Dr. Böhm angeregte Gründung einer jüdischen Fachschule für Metallgewerbe, welche sich gleichfalls durch eine Reihe von Jahren bestens entwickelt hat und bisher von der Kultusgemeinde erhalten wurde, welche das Erfordernis von jährlich Kc 108.790.—