B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 9 (11.1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 233 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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233 Da werden Sie, wenn Sie auf Ihr eigenes Innere horchen, eine leise, aber eindringliche Stimme hören, die Stimme des Blutes, die Stimme der Schicksalsgenossenschaft, die Stimme gemeinsamer sittlich religiöser Grundlehren, die Stimme des geschichtlich Gewordenen, die Stimme, die diese große Gemeinde hier mit allen Gemeinden Israels verbindet und Sie werden schließlich darin auch den tausendjährigen Hymnus der werdenden Menschheit erbrausen hören. Die Völker haben ihre Geschichte, Israel schreitet aber durch die Geschichte der Menschheit: es sah die Morgenröte der Kultur am Euphrat und Tigris, es durchschreitet, ein Volk schwerer Arbeit, die Länder der Pharaonen: seine an den Ufern des Jordans im Geiste schlichter Hirten und Ackerbauer entstandene Gottesidee verbreitete sich in mancherlei Gestalt über den größten Teil er bewohnten Erde. Die Judäa bezwungen, wurden von ihm geistig unterworfen, auf den Trümmern des römischen Reiches erhob sich die jüdische Gottesidee. Der Jude verbreitete die Ideen griechischer Forscher in diese Gottesidee, er philosophierte mit den Arabern und lehrte mit ihnen die zurückgebliebenen Völker des Mittelalters. Er trug seine Ideen an den Rhein, in das waldbedeckte Germanien, er trug sie in die Steppen des östlichen Europas, in die Industriezentren Amerikas, überall auch das Wirtschaftsleben weckend und befruchtend. — Seit mehr als tausend Jahren gründet er Gemeinden am Strande der Donau und der Moldau, arbeitet er an der Wohlfahrt und Kultur dieser Länder. Unter der Regierung Ottokars des II. entsteht in Wien ein reges, geistiges Leben, das sich in der taJmudischen Schule des Rabbi Isak, genannt Or saruah, konzentriert. Nach Bratislava und Umgebung und nach Mähren flüchteten die Juden aus Wien, als zweimal die habsburgisch-spanische Politik und finsterer Religionshaß, zum letzten Male vor mehr als 250 Jahren, sie von Haus und Hof vetreibt. In Bratislava und Umgebung erwachsen zum großen Teil jene Männer, welche in Wien nach langer Leidenszeit wieder ein jüdisches Gemeindeleben erwecken, Wiens Industrie und Handel zu neuem Leben erstehen lassen. Wissen Sie jetzt, warum gerade ein österreichischer Staatsbürger, in der Gechoslovakei geboren und erzogen, Sie in diesem weltumfassenden Orden einführt? Und Sie sollen auch verstehen, was der Orden in unserer Zeit b edeutet:Die mechanisch-technische Kultur unserer Zeit hat ihren wahren Sinn verfehlt; sie hätte die erhabene Aufgabe gehabt, den Menschen vor drückender Arbeit zu entlasten, das Leben von Gefahren zu befreien und einer möglichst großen Anzahl von Menschen Lebensglück und Lebensfreude zu verschaffen, die Menschen auf den Heiligen Berg der Erkenntnis und der gegenseitigen Liebe und Achtung zu führen.