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B'nai B'rith · 1924-10-01 · 8 (10.1924) · p. Seite 222

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
8 (10.1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 222 (sequence 20)
Language
German
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222 zunützen und macht die jüdische Öffentlichkeit besonders auf die Kolonisationsmöglichkeiten in Erez Israel aufmerksam. Alle Emigranten, die ihrem Alter und ihrer Vorbildung nach für die Landwirtschaft geeignet sind, soll die Möglichkeit verschafft werden, nach Palästina zu gehen. W—er. Aphorismen. „Haust du meinen Juden, hau ich deinen Juden." Dieser Spruch geht auf eine Erzählung zurück, die bekanntlich Joh. Peter Hebel im „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes" (1811) unter dem Titel: Die zwei Postillone — erzählt: „Diese Postillone, welche zwischen Dinkelsbühl und Ellwangen fuhren, hatten von zwei Handelsleuten stets so schlechte Trinkgelder erhalten, daß sie sich vornahmen, die Herren freigebiger zu machen. Einst traf es sich, daß der Dingsbühler Schwager, den einen dieser Handelsleute fahrend, auf der Landstraße dem Postülon von Ellwangen begegnete, welcher den andern Handelsmann fuhr. Keiner will dem andern ausweichen. Zuerst zanken sich die Postillone, und als die Reisenden sich in den Wortwechsel mischten, schlägt der Ellwanger Postülon dem Passagier in dem gegenüberstehenden Postwagen mit der Peitsche ins Gesicht, worauf der Postülon aus Dingsbühl ein gleiches an dem anderen Passagier tut. Nachdem sie ihre gegenseitigen Passagiere durchgepeitscht hatten, trennten sie sich. Diesmal gab jeder der beiden Reisenden ein besseres Trinkgeld. Hebel läßt den einen Postülon sagen: „Du sollst meinen Passagier nicht hauen, er ist mir anvertraut und zahlt honett, oder ich hau den deinigen auch." Der Volksmund hat die Worte des Postülons verkürzt zu: „Haust du meinen Juden, hau ich deinen Juden." Variationen: XIX. Jahrhundert: (Dem eigendichen Sinne obiger Erzählung entsprechend) : Haue meinen Juden, damit ich deinen Juden hauen kann! XX. Jahrhundert: Haue ruhig meinen Juden, denn ich haue ja auch deinen Juden. * Nacktheit: Am Meeresstrande sah ich eine Frau in ihrer kurzen Badekleidung, nicht mehr und nicht weniger beachtet als die vielen anderen Gleichgekleideten ihres Geschlechtes. Doch gab sie zu vielen Bemerkungen Anlaß, als sie über ihre Badekleidung das Hemd anzog und in der Sonne lag. Diese „Kleidung" galt als anstößig und frivol. Dies bringt den bekannten Satz in Erinnerung: „Nicht das Nackte reizt, sondern das VerhüUte. Zieht der Mediceischen Venus ein Hemd an: das schöne Weib ist weg und das interessante Frauenzimmer ist da." Umgekehrt ist es mit der „Wahrheit". Die nackte Wahrheit mag niemand leiden und findet sie meist anstößig, die oft nur dürftig bekleidete und dadurch meist verkleidete wird jedoch eben noch stülschweigend hingenommen.

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