B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 8 (10.1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 218 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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218 durchführbar und das Exekutiv-Komitee bestimmte, daß die Gründungsurkunde sich nur auf die Logen in Palästina erstrecken solle. Loge n-G ründungen. Port Said (Ägypten), Amsterdam (Amsterdamloge No. 986), Damaskus und Aleppo (Syrien), Athen, Hedarah Kolonie (Palästina-Haskaron-Loge). Zweite jüdische Welthilfskonferenz in Karlsbad <2i.~28. August 1924). II. Die russische Not. Die Not in Rußland und in der Ukraine, welche vor vier Jahren den Hauptanstoß zur Einberufung einer Welthilfskonferenz gegeben hatte, standen auch diesmal im Mittelpunkte der Diskussion. Drei Referenten, welche kurz vorher Rußland besucht hatten, beleuchteten eingehend von verschiedenen Gesichtspunkten aus die heutige Lage der Juden in den Gebieten des früheren Rußland. Dr. Jochelmann (Bruder der Londonloge), Obmann des ukrainischen Komitees in London, der im laufenden Jahre als Mitglied und im Auftrage der Welthilfskonferenz Rußland besucht hatte, entwirft ein allgemeines Bild der Lage in Rußland. Er legt dar, daß die Juden in Rußland weder verfolgt, noch bedrückt seien. Allein die gegenwärtige Lebensordnung daselbst fordert, daß jeder Staatsbürger einer bestimmten Klasse angehöre; die Juden seien zum überwiegenden Teile „deklassiert" und deshalb hat die Regierung kein Interesse an ihrem Schicksal. Auf sich selbst angewiesen, sind sie zum großen Teile dem Untergange geweiht, falls nicht von außen eine ausgiebige Hilfe komme, es gehe sohin nicht um Akte der Mildtätigkeit, sondern um die Frage der Erhaltung des russischen Judentums. Der Vorsitzende der ukrainischen Landesstelle der Welthilfskonferenz Dr. Bernstein aus Kiew, betont gleichfalls die Notwendigkeit weiterer jüdischer Hilfe aus dem Auslande, da die Lage der jüdischen Bevölkerung in Rußland eine nahezu katastrophale sei. Durch die Leiden des Krieges und der Nachkriegszeit sei die jüdische Wirtschaft vollständig ruiniert. Der größte Teil der jüdischen Bevölkerung besteht aus Luftmenschen, die gar kein Einkommen besitzen und denen es an den nötigsten Lebensbedürfnissen mangelt. Die Wirtschaftspolitik der Sowjetregierung, welche zu einer erheblichen Reduzierung des Privathandels und der Privatindustrie führte, hat vor allem die jüdische Bevölkerung getroffen, welche als Vermittler oder in der Kleinindustrie ihr Brot erwarb. So hat die historische Entwicklung des jüdischen Wirtschaftslebens dazu geführt, daß sich die große Mehrheit der jüdischen Bevölkerung schlechter als die anderen Schichten der neuen Wirtschaftsordnung, in Rußland anpassen kann. Selbst der jüdische Arbeiter, welcher sonst alle Vorrechte dieser Klasse genießt, leidet unter der wirtschaftlichen Krise, weil er meist minder qualifiziert ist. Mehr noch als der Arbeiter, wird durch diese Krise die Intelligenz betroffen; während in den ersten Jahren der Sowjetregierung ein großer Apparat für organisatorische Zwecke unterhalten wurde, in welchem viele jüdische Intellektuelle Verwendung fanden, hat man beim Übergang vom militärischen Komunismus zur neuen ökonomischen Politik abgebaut, wodurch die Arbeits- und Erwerbslosigkeit in diesen jüdischen Schichten besorgniserregende Formen angenommen hat.