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B'nai B'rith · 1924-09-01 · 7 (9.1924) · p. Seite 194

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
7 (9.1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 194 (sequence 8)
Language
German
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194 von Adolf Wagner und Lujo Brentano geführt wurde. Dieses Thema steht jetzt wieder im Mittelpunkte, nicht der Theorie, sondern der praktischen Wirtschaftspolitik und es ist nicht zu übersehen, daß die Agrarstaaten, wie Polen, Ungarn, Jugoslavien zunehmender Industrialisierung zustreben, die cechoslovakische Republik ihre gewerbliche Produktion nolens volens abbaut; —i auch Stillstand in der Entwicklung ist schon Rückschritt. Was sich den überschüssigen Kräften und Kapitalien eröffnet, ist die Landwirtschaft. Daß die Juden dafür die Eignung besitzen, lehren die guten Erfolge, welche Pächter und Güterbeamte auf fremdem Boden erzielen. Unter dem Einflüsse der zionistischen Bewegung haben zahlreiche Jünglinge, ungeachtet ihrer Vorbildung für Intelligenzberufe, die Arbeit in der Landwirtschaft aufgesucht und sich darin eingelebt. Wie schade, daß gerade diese willensstärksten, tatkräftigen, jungen Leute außer Landes gehen, Kulturpioniere, die auch wir noch so nötig brauchen! Wir brauchen den jüdischen Landwirt und wir brauchen den bodenständigen Handwerker. Nicht den Kleingewerbetreibenden, der in der Stadt als kümmerlicher Konkurrent der Fabrik, im aussichtslosen Wettkampf mit der Maschine der Heimarbeit, dem Schwitzsystem Opfer wird, sondern den Schmied, den Wagner, den Tischler, der auf dem Lande sein Brot findet, durch eigenen Grundbesitz gesichert. Wenn er die anerzogene Begabung für das Rechnen, für kalkulierende Erwägung mitbringt, wird er von Haus aus jener Höhe beruflicher Leistungsfähigkeit zustreben, welche ein halbes Jahrhundert staatlicher Gewerbeförderung in Österreich nicht erzielen konnte. Am v/ichtigsten aber scheint mir die Rückkehr zur Landwirtschaft. Sie bietet sichere Existenz trotz allem Wechsel vor Konjunktur, von politischen und wirtschaftlichen Machtverhältnissen. Gerade jetzt ist Grund und Boden in unserem Staate leicht zu erwerben. Zuteilung verstaatlichten Bodens ist vielleicht nicht in größerem Umfange zu erwarten. Immerhin sind nach dem Gesetze Genossenschaften von Landwirten und Handwerkern zunächst zu berücksichtigen und es ist nicht ausgeschlossen, daß solche Vereinigungen, deren soziale Tendenz sicher manchen Kreisen unseren Jugend entspricht, auch von der Regierung gefördert werden. Darüber hinaus aber hat die Bodenreform jedenfalls dazu geführt, daß landwirtschaftlicher Boden jetzt billiger als je erworben werden kann und die Gründung einer selbständigen Existenz erleichtert erscheint, mit der Aussicht auf Sicherheit und Bestand. Bloß dieser ökonomische Gesichtspunkt konnte hier erörtert werden. Hygienische, eugenische, politische Perspektiven eröffnen weite Horizonte, die hier nicht einmal angedeutet, gar nicht ausgedeutet werden können. Bloß die Hoffnung sei erwähnt, daß sich ein Weg finde, den Gedanken der jüdischen Siedlung zur Wirklichkeit zu führen.

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