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B'nai B'rith · 1924-09-01 · 7 (9.1924) · p. Seite 188

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Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
7 (9.1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 188 (sequence 2)
Language
German
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188 Aus alten Blättern. Kommentarlos sei im folgenden ein Aufsatz abgedruckt den ich in einer im Jahre 1812 erschienenen Zeitschrift fand. Diese Zeitschrift führt den Titel: Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat, herausgegeben von mehreren Geschäftsmännern und Gelehrten. Gedruckt und im Verlage bey Amton Strauß in Wien. Der Aufsatz bildet den Leitartikel der Nummer 19. der genannten Zeitschrift und erschien am Mittwoch, den 4. März 1812. Kommentarlos sei der Aufsatz wiedergegeben, weil er nicht der Kritik der Zeit und deren Anschauungen dienen soll, wiedergegeben aber sei er des Interesses wegen, dem die dort behandelte Frage nach wie vor begegnet, jener Frage, die 30 Jahre später für die Gründung unseres Ordens mitbestimmend war und die hinsichtlich des „Für" und „Wider" auch heute noch nicht aus unseren Diskussionen ausgeschaltet ist. Von besonderem Interesse ist der Aufsatz wegen seiner Bezugnahme zu alten Prager Judenfamilien, deren Scharfen sich vielfach noch in der Gegenwart auswirkt. Zur Charakteristik der Zeit sei daran erinnert, daß dieser Artikel zur Zeit des Niedergangs der Machtstellung Napoleons geschrieben wurde, kurü vor dem Feldzug nach Rußland. Sn. Über die zur moralischen Verbesserung der Juden getroffenen Anstalten in den österreichischen Staaten. Der politische Zustand einer Nation ist oft der Maßstab ihres moralischen Verhaltens, und hat einen großen Einfluß selbst auf ihre Religionsbegriffe. Freye Entwickelung aller Fähigkeiten, ungehinderte Anwendung der Leibes- und Seelenkräfte, sicherer Genuß des Erworbenen, gleiche Vertheilung der Staatslasten, und Achtung bürgerlicher Freyheit geben dem Volke einen großen Charakter, flößen ihm Vertrauen und Liebe zu seiner Verfassung ein, die es aus eigenem Antriebe aufrecht zu erhalten suchet, und entheben den Gesetzgeber der traurigen Nothwendigkeit, die Gesetze zu vervielfältigen, und die Strafen auf Pflichtverletzungen zu verschärfen. Der Geist einer gebildeten Nation reiniget die Religion vom Eigendünkel, Aberglauben und Schwärmerey; er schwingt sich vom bloß mechanischen Gottesdienste zur inneren heiligen Gottes Verehrung. Wo hingegen Vorurtheile und Leidenschaften, Eigennutz und Selbstsucht die edlen Triebfedern menschlicher Handlungen abstumpfen, und der Thätigkeit der ganzen Masse eine der Bestimmung des Menschen, und der Vervollkommnung seiner Gattung entgegengesetzte Richtung gehen, da entsteht eine allgemeine Entartung und ein Sittenverderbniß, dem keine Gesetze, und keine Strafen ganz steuern können. Was bisher angeführt wurde, gilt ungefähr auch von einer Volksklasse, die in sehr enge Schranken der bürgerlichen Freyheit eingezwängt ist. Von vielen gesetzlichen Befugnissen ausgeschlossen, von Geistes-

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