B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 6 (6.1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 180 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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er mit seinen Thesen zum Widerspruch reizt, höchst anregend und durch seinen ethischen Optimismus erhabend. Man lese seine gediegenen Ausführungen über Nächsten- und Feindesliebe, über die rechtliche Behandlung des Fremden (ger) und des Ausländers (nochrD, über das sozial-ethische Prinzip der Gerechtigkeit und das individual-moralische Prinzip der Liebe als konstitutive Prinzipien im Judentum und Christentum, man lese dies und noch vieles andere und man wird uns zustimmen, wenn wir der edlen Tendenz und dem moralischen Pathos, der Zieglers Werk durchzieht, Lob und Anerkennung zollen. Doch wie hat schon Lessing in einem ähnlichen Falle gesagt: Wir wollen weniger erhoben, doch fleißiger gelesen sein! Dr. J. Hirsch. M. Ascher-Nenchätel: Sexuelle Fragen vom Standpunkt des Judentums. A. J. Hofmann-Verlag, Frankfurt a. M. Mit feinem, diskretem Taktgefühl behandelt Ascher eine heikle Frage. Wie hier so in allen seinen zahlreichen Werken liegt dieselbe Tendenz zugrunde. In rascher Aufeinanderfolge publizierte er die Schriften: „Kein Widerspruch zwischen Judentum, Wissenschaft und Leben", „Sogenannt liberales und sogen, konservatives Judentum", „Von der Wiege bis zum Grabe", „In den Schlachten der Erkenntnis", „Briefe über allerlei aus der jüdischen Religion" und in allen diesen Werken läßt er seine bange Sorge um die Erhaltung des jüdischen Familienlebens deutlich erkennen, überall erhebt er die mahnende Stimme nach verständnisvollem Studium unseres Schrifttums. Das vorliegende Werk ist ein weiterer Schritt auf demselben Gebiete dieses Verfassers. Wodurch sich diese Schrift von den vielen Büchern, die das gleiche Thema behandeln, in wertvoller Weise unterscheidet, ist die Einstellung zu den gegebenen, realen Verhältnissen des westeuropäischen Kulturmenschen und die Berücksichtigung all der Umstände, welche die Schule, der Beruf und die ganze Art unseres Erwerbs aus uns gemacht haben. Das Berufsleben des Verfassers, eines klugen, weitblickenden, dem Rousseauismus huldigenden Erziehers, bietet ihm reichliche Gelegenheit, mit der heranwachsenden jüdischen Jugend, mit Knaben und Mädchen, in Kontakt zu treten; die wichtigsten Erfahrungen auf dem Gebiete der Erziehung hat Ascher in ein gefälliges Ganzes zusammengestellt und bietet sie in der vorliegenden Broschüre dem Leser dar. Aus dem leichtfaßlich geschriebenen, gedankenreichen Inhalt verweise ich namentlich auf das Kapitel „Daseinszweck", das in knapper Form so viele unserer unausgesprochenen Gedankenkomplexe zum klaren Ausdruck bringt. Im Anschluß daran und in organischer Aufstellung folgen hierauf die Kapitel: „Der Knabe", „Das Mädchen", „Der Jüngling", „Die Jungfrau", „Die Familie". Wenn Ascher in seinem Schlußworte der jüdischen Frau zuruft, sich damit auseinanderzusetzen, ob in ihrem Leben die Mutterschaft die Oberherrschaft haben soll oder die Erotik, oder ob zwischen Mutterschaft und Erotik pendelnd, sie bald dieser bald jener sich zuwende, wenn der Verfasser die Forderung erhebt, der jüdischen Frau müsse die wahre Mutterschaft Vollendung und Harmonie der Persönlichkeit werden, dann fühlen wir mit ihm seine Begründung, warum diese allgemein geltenden Forderungen in besonderem Maße der heutigen jüdischen Familie, der heutigen jüdischen Zeit gelten. Die Lektüre dieses Werkes, das unserer Logenbibliothek einverleibt wurde, wird den Logenangehörigen neben einer genußreichen Stunde wahre Befriedigung, vielleicht auch positiven Erfolg bringen. Flusser. Umschau. Nachrichten^Bulletin des Büros des Exekutivkomitees. N. B. Diese Bulletins werden am 1. und 15. eines jeden Monates an die Sekretäre der amerikanischen Logen gesendet und sind dazu bestimmt, bei den Zusammenkünften der Logen, die unmittelbar auf den Empfang der Bulletins erfolgen, vorgelesen zu werden.