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B'nai B'rith · 1924-05-01 · 5 (5.1924) · p. Seite 144

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
5 (5.1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 144 (sequence 28)
Language
German
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144 eigentlich eine Frage und Sorge der Juden, nicht der europäischen Mächte, sein, sollte, weil sie, die Juden selber, ihre Lösung anbahnen und in die ihrem Geiste angepaßten Wege leiten müßten, stand wieder riesengroß da. Sie ging auch Achad Haam durch Kopf und Herz und er griff — zur Feder, nicht um den Feind draußen zu widerlegen und ihm Humanität zu predigen, sondern um den Feind drinnen, den geistigen Stumpfsinn, die moralische Zerfahrenheit und seelische Zerrissenheit, durch die jüdisch-nationale Idee des kulturellen Eigenwertes zu bezwingen. So wurde er hebräischer Schriftsteller, lieferte Atifsätze zu den brennenden Tagesfragen, deren Wert und Bedeutung aber weit über den Tag hinausreichen, weil er sie eben nicht unter dem schmalen Gesichtswinkel des Journalisten, sondern unter dem viel weiteren des Denkers betrachtet und behandelt. Für ihn sind es nicht Tages-, sondern Jahrhundert-, ja Ewigkeitsfragen. Die Ereignisse drängten zur Lösung. Achad Haam gehörte seit den 80er Jahren dem Kreise der Chowewe-Zion, der Zionsfreunde, an, die durch Gründung von Kolonien und Schulen in Palästina, aber auch in Rußland, jüdische Kulturheimstätten schaffen und dem wirtschaftlichen Elend aus der geistigen Not hauptsächlich der östlichen Juden steuern wollten. Achad Haam war also Zionist schon vor dem durch Herzl und Genossen zum politischen Programm erhobenen und meisterlich organisierten Zionismus. Achad Haam betonte gegenüber dem politischen Zionismus jene auf dem jüdischen Nationalgefühl und der jüdischen Geistesrichtung aufgebaute Auffassung, die man Kulturzionismus oder gar sit venia verbo: Achad Haamismus genannt hat. Er betont gegenüber der Utopie des „Judenstaares" Herzl'scher Prägung die moralische und kulturelle Regeneration der Juden und des Judentums überall und die Schaffung, besser: Entwicklung eines nationalen Zentrums in Palästina, eines Zentrums der jüdischen Kultur, der körperlichen Arbeit und der seelischen Reinheit, von dem Licht, Ehre und Selbstbewußtsein ausstrahlen würde in die Diaspora. Auch die moralische Not der Westiuden würde unter dieser Bestrahlung heilen. Sie könnten ihres Judentums wieder froh und frei von „innerer Knechtschaft bei äußerer Freiheit" werden. Man lese die diesbezüglichen Aufsätze im 1. und 2. Bande und urteile selber. Hier ist ja nicht das Forum und hier ist auch der Raum zu eng, um auf den Inhalt der 2 Bände näher einzugehen und Achad Haams Kultur-Zionismus, Nationalismus und — was mir hauptsächlich am Herzen läge — seine entwicklungsgeschichtliche Auffassung der religiösen und ethischen Prinzipien des Judentums nach Gebühr zu würdigen. Zweck dieser Zeilen war ja nur auf den Mann und sein Werk erneut aufmerksam zu machen. Wir stehen in diesem Jahre innerhalb der w. „Bohemia" im Zeichen der Diskussionen. Die Lektüre eines hervorragenden Buches ist im Grunde auch eine solche stille Diskussion des Autors mit dem Leser und umgekehrt — und die Diskussion Achad Haams mit uns wird die Gedanken eines jeden Lesers anregen, vielleicht auch zu einer Revision mancher vorschneller Urteile in Sachen der jüdischen Kultur und des sonstigen religiösen und ethischen Kulturgehalts des Judentums veranlassen. Dr. J. Hirsch. Umschau. Die Loge „Veritas" hat zum Repräsentanten für das Jahr 1924 den Br. Expräs. Dr. Emanuel Gross d. w. Bohemia gewählt. Von unsern Brüdern. Repräsentantenwahl: Dir. Emil W e i s z, Klatovv 201/1. JUDr. Hans Adler, Advokatur skonzipient, Plzen, Bendova 26. Sterbefälle: In die w. „U nion": Einführungen: Ludwig Lieberies: eingef. i. d. w. „Bohemia" am 19. III. 1898, geb. am 3. VII. 1850, gest. am 24. IV. 1924. Dr. W o 1 f g a n g S a b b a t h, Distriktsarzt, Staab. Nath. Lichterstern: eingef. in d. w. „Silesia" als Gründungsbruder

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