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B'nai B'rith · 1924-04-01 · 4 (4.1924) · p. Seite 106

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
4 (4.1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 106 (sequence 20)
Language
German
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106 aktionen mit entsprechenden Beträgen beteiligte, gehört nur indirekt in diesen Bericht und kann außer Betracht bleiben. Neben Wohltätigkeit und umfassender Nächstenliebe bildet die Pflege und Förderung von Wissenschaft und Kunst einen hohen Zweck des Bundes. Was in einer nicht großen Landstadt möglich zu leisten ist, strebte auch die „Vereinigung der Saazer Brüder" an. In den 30 Jahren wurden 42 populär-wissenschafdiche Vorträge abgehalten, 8 von auswärtigen, 34 von hiesigen Brüdern. Die Vorträge erstreckten sich über mehrere Gebiete: Religionsphilosophie, Geschichte, Literatur, Medizin, Nationalökonomie, auch aktuelle Materien wurden behandelt, wie z. B. die Steinachsche Methode, der Zionismus, die Frauenfrage, die Berufswahl und alle diese Vorträge wurde von jenen gehalten, die über die betreffende Materie etwas zu sagen hatten und sagen konnten und einige dieser Vorträge wurden in Zeitschriften veröffentlicht, zwei in den damals in Wien erscheinenden Zweimonatsblättern. Die Vereinigung hat auch einige Konzerte selbst veranstaltet oder zumindest so gefördert, daß sie abgehalten werden konnten. Unsere wahrhaft schönen Gesellschaftsabende (fast in jedem Jahre einer), die auch die Schwestern einander gesellschaftlich näher brachten, boten uns künstlerische Genüsse, die das Mittelmaß des Dilettantismus weit überstiegen. Im Laufe der 30 Jahre riß der Tod sieben liebe Brüder aus unserer Mitte. Die Vereinigung bewahrt ihnen eine wehmütige Erinnerung: Dr. Adolf Anspach, Siegfried Glaser, Max Herschmann, Gustav Kohn, Siegfried Kohn, Arnold Küchler und Heinrich Lang. Dieses kurze Erinnerungsbild will ich mit einer allgemeinen Betrachtung schließen: Das Judentum ist des Juden geistige Heimat und deutsches, tschechisches, französisches, englisches, europäisches und anderes Judentum, das sind nur Aspekte einer und derselben Gemeinschaft. Eine geistige Heimat erwirbt man nur in der Kindheit. Wer sie aufgibt, kann keine zweite erwerben, er ist geistig heimatlos. Das ist kein Vorwurf, sondern nur eine des Mitleids werte Tatsache: Wir besitzen unsere geistige Heimat und das Streben und Wirken des Bundes ist es, diese geistige Heimat zu erheben und zu erhöhen. In die Reihe der Strebenden tritt nun auch die neueste Loge der öechoslovakei. Jedes Land hat seine eigenen Verhältnisse, sein eigenes Milieu und auch die Juden in Böhmen leben in einem eigenen Milieu. In diesem Lande der alten österreichischen Monarchie löste unter Josef II. die Normalschule das alte Cheder 50 Jahre früher als in den andern Ländern des Reiches ab und die Juden in Böhmen erlangten fünfzig Jahre vor den andern durch die Normalschule allgemeine Bildung. Das brachte den Vorteil, daß die jüdischen Schriftsteller, Universitätslehrer, Journalisten und Fabrikanten in diesen 50 Jahren zumeist aus Böhmen waren. Der Nachteil wieder war die leichtere Loslösung vom Judentum, besonders der gebildeten und wohlhabenden Kreise. Aber jeder kräftige Organismus schafft sich neue Mittel, um den Kampf ums Dasein zu bestehen. Bildlich gesprochen: Das Judentum ist ein Organismus, der Kraft besitzt und bestehen bleiben will und in

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