B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 4 (4.1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 105 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Auch diese Vereinigung hat die Armut nicht aus der Welt geschafft, sie hat nur mehr geleistet, als sonst hier geleistet worden wäre, weil sie mit vereinten Kräften und mit Überlegung vorging. Höher ist es ihr schon anzurehnen, daß die Vereinigung Wohltätigkeit dem biblischen Worte gemäß übte: Stütze den Nebenmenschen, daß er nicht falle und nicht auf die Gaben von Hand zu Hand angewiesen sei." So hat sie öfters eine namhafte Summe aufgebracht, um sie als Darlehen jenem vorzustrecken, der sich dadurch eine Existenz gründen konnte, oder um dem einen oder dem andern Studenten in der Studienzeit beizustehen. Angefügt muß werden, daß einigemal die Darlehen rückerstattet wurden. Einen Glanzpunkt im Wirken der Vereinigung war die Fürsorge für 2000 Flüchtlinge. Zugute kam, daß nicht nur Kultusvorsteher und Rabbiner und mehrere Mitglieder des Kultusvorstandes Brüder waren, so daß die Leitung des vom Kultusvorstande eingerichteten Flüchtlingskomitees in der Hand der Vereinigung blieb. Die Aktionen und ihre Durchführung, besonders jener, die über die Bedürfnisse des Tages hinausreichten, gingen von der Vereinigung aus. Schon in den ersten Tage der Invasion waren über 4000 K gesammelt, die im Jahre 1914 etwa zehnmal mehr als heute bedeuteten. Daß die Kinder der Flüchtlinge in den verschiedenen öffentlichen Lehranstalten (Volks- und Bürgerschule, Gymnasium, Handelsschule und Mädchenlyceum) untergebracht wurden, bedarf nicht besonderen Hervorhebens, eher noch die Errichtung einer Kosthalle und der Arbeitsstätten, in denen Flüchtlinge für Flüchtlinge Kleider und Schuhe verfertigten, wobei die Flüchtlinge nur das Material, aber nicht den Arbeitslohn zu bezahlen hatten. Diesen bezahlten wir ihnen aus dem Betrage, den uns die Regierung für die Arbeitsstätten (32.000 K im Jahre 1915) zur Verfügung stellte. Unser Hilfskomitee war das erste, das zu einem solchen Zwecke Geld von der Regierung erhielt und es erfüllte mit Genugtuung, als mir in Wien im Ministerium gesagt wurde: ,.Saaz und Brünn haben die Flüchtlingsfürsoge am besten eingerichtet." Daraufhin erbaten wir auch von der Regierung Unterstützung für die Flüchtlingskosthalle, ein jährliches Stipendium (600 K) für jeden Schüler und jede Schülerin, und wir erhielten beides. Die Vereinigung brachte auch manchen dieser jungen Menschen in Komptoirs und einige von ihnen fanden dadurch ihren offenen Weg in die Welt. Zuweilen erhalten wir jetzt als Zeichen der Dankbarkeit ein Trauungseinladung solch ehemaliger armer Flüchtlingskinder. Im März 1918 nahm die Vereinigung von den Nikolsburger galizischen Kriegerwaisenkindern 6 nach Saaz und im Jahre 1920 noch 2. Die Vereinigung hatte nur für Wohnung und Kleidung dieser Kinder zu sorgen, die Kost erhielt sie von den hiesigen Familien. Jedes Kind wurde immer von einer Familie in ganze Kost genommen, um den auf ein junges Gemüt nur schädlich wirkenden „Kosttagen" auszuweichen. Von diesen 8 Kindern ist keines mehr hier, eines ist Schützling der Manhatan-Loge in New-York geworden und befindet sich im Prager Jubiläumswaisenhause. Daß die Vereinigung sich an allen Wohltätigkeits-