B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 4 (4.1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 94 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Di Willigkeit und Opferfreude,, Achtung selbst vor den Schwächen des Bruders, das sind die Waffen, mit denen unser Bund den Kampf für die Humanität führt, mit denen er eine Veredelung des Kampfes ums Dasein anstrebt. Dazu ist aber vor allem nötig, daß jeder einzelne Bruder durchdrungen sei von dem Geiste unseres Ordens, daß er sich ganz erfülle mit den Idealen desselben, daß er aber auch erfüllt sei von dem Pflichtgefühl, sich ganz und voll in den Dienst unserer Sache zu stellen. Das Brand'sche: „Alles oder nichts" muß gelten auch für unseren Orden. Wir fordern den ganzen Menschen. Wer uns nich's anderes zu geben hat als seinen Namen und sein Geld, der hat uns zu wenig, der hat uns nichts gegeben. Aber nicht nur, daß wir selbst einen vorbildlichen Lebenswandel führen müssen, müssen wir auch bestrebt sein, unsere Kinder und Angehörigen zu stolzen aufrechten Menschen zu erziehen, die sich ihrer Abstammung nicht schämen, die vielmehr sich frei und offen dazu bekennen, Angehörige des ältesten Kulturvolkes der Geschichte, mit einem Worte, Juden zu sein. Wenn wir in dieser Weise uns selbst erzogen haben werden, dann wird die werbende Kraft unserer idealen Bestrebungen auch stark genug sein, den überall wohnden Funken edler Menschheit zu einer Flamme der Begeisterung für die sittliche Vervollkommnung der Menschheit anzufachen und wenn diese Flamme die Menschen aller Länder ergriffen haben wird, wenn ihr Feuer alle Vorurteile, auf denen Glaubenshaß und Rassenantipathie beruhen, in Asche verbrannt haben wird, dann wird der Zeitpunkt gekommen sein, in dem unser Bund die Beschränkung, die er sich selbst auferlegt hat, indem er nur Juden in seinen Reihen vereint, fallen lassen kann, dann wird der Zeitpunkt gekommen sein, um alle Menschen ohne Unterschied des Glaubenbekenntnisses in einem ethischen Bund zu vereinen. Welche Weisheit in dieser Beschränkung enthalten ist, die die Gründer unseres Ordens demselb:n gegeben haben, das hat wohl gerade der Krieg bewiesen, indem unser Orden die einzige Internationale ist, die alle Stürme des Krieges überdauert hat. Gerade der Krieg, in dessen Blutströmen und Gewalttaten jedes Menschlichkeitsideal ertrunken ist, hat die sieghafte Kraft unserer Ideale bewiesen. Gewiß hat kein Volk der Welt im Laufe der Jahrtausende solche Leiden ert agen wie das unsrige. Aber was sind diese Leiden gewesen im Vergleiche zu den Hekatomben von Blutopfern, die der menschlichen Grausamkeit im Kriege und nach dem Kriegsschluß erlegen sind. Und gerade in dieser Zeit, in der alle internationalen Verbände Schiffbruch gelitten haben, hat sich die einigende Kraft unserer Ideale bewährt. Was gerade die Brüder der feindlichen Staaten geleistet haben, um die Not der Armen zu lindern, den Opfern der Verfolgung zu Hilfe zu eilen, Witwen und Waisen zu beschützen und ihnen beizustehen, das hebt sich strahlend ab von dem Dunkel, in dem alle Kultur zu versinken schien und bewahrheitet das Dichterwort: „Durch Liebe steigt aus den Ruinen das Leben, das in Trümmern lag und leuchtet mondglanzbeschienenentgegen einem neuen Tag?" Es ist selbstverständlich, daß eine kleine Loge, wie es die unsrige ist und immer bleiben wird, nicht imstande ist zu derartigen großen