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B'nai B'rith · 1924-03-01 · 3 (3.1924) · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
3 (3.1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 82 (sequence 20)
Language
German
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82 gedruckte Rechenschaftsbericht über die Zeit vom 1, Oktober 1922 bis 31. Dezember 1923 vor. Wir heben aus demselben folgende Daten hervor: Die Zentralisierung des gesamten Wohlfahrtswesens macht trotz der großen Schwierigkeiten, die von allen Seiten den Arbeiten entgegengebracht werden, erfreuliche Fortschritte und das Verständnis für eine moderne soziale Fürsorge gewinnt ständig an Boden. Die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer solchen Zentralbehörde, die auf das soziale Wohlfahrtswesen vermittelnd, beratend, ausgleichend, zusammenfassend, regulierend, verteilend und unterstützend einzuwirken hat, setzt sich allmählich durch und insbesondere die Vermittlung zwischen Behörden und den einzelnen Organisationen durch die Fürsorgezentrale wird von allen Seiten angerufen. Die Organisierung;sarbeit hat einen größeren Umfang angenommen, zahlreiche Gemeinden, Vereine und Institutionen haben sich der Fürsorgezentrale bereits angegliedert, ein Netz von Vertrauensmännern ist über die ganze Republik ausgebreitet und selbst in Karpathorußland sind in den wichtigsten Orten Vertrauensmänner gewonnen worden. Die Zentralisierungsarbeit wird erheblich gefördert durch das reichhaltige statistische Material, das dem Büro zur Verfügung steht und das in genau geführten Karthotheken verarbeitet wird. Gestützt darauf entwickelt sich die Funktion der Zentrale als Beratungsstelle in allen sozialen Angelegenheiten und wird vielfach in Anspruch genommen. Dem Programmpunkte „Förderung des jüdischen Wohlfahrtswesens" konnte in vielen Fällen entsprochen werden und an notleidende Institutionen namhafte Subventionen bewilligt werden. So wurde dem Schwachsinnigenheim in Hloubetin ein Darlehen von 25.000 Kc gewährt, die israelitischen Badehospitäler in den böhmischen Weltkurorten mit namhaften Subventionen unterstützt (Karlsbad 30.000 Kc, Franzensbad 15.000 Kc, Teplitz 12.000, MarienbadlO.OOOKc) das Israelitische Handwerkerlehrlingsheim in Prag erhielt 5.000 Kc. das Jüdische Waisenheim in Olmütz-Paulowitz Subventionen im Gesamtbetrage von Kc 5.500, das Studentenferienerholungsheim Miröschau 10.000 Kc, die Blauweiß-Jugendsiedlung Skytal 5.000 Kc, der Jubiläumsfond für jüdische Schüler an cechischen Schulen 5.000 Kc, Zentralverband der jüdischen Hochschüler 5.000 Kc u. a. Gemäß den Bestimmungen der Statuten wurde an die Selbständigmachung lebensfähig gewordener Sektionen geschritten und die jüdische Krankenfürsorge für Groß-Prag geschaffen, weiters der Zentralverband der jüdischen Hochschüler, der nunmehr die gesamte Studentenfürs, im eigenenWiikungskreise zu besorgen hat. Auf Gebieten, für die noch keine Organisation besteht und die nicht rein lokalen Charakter haben, setzt die Fürsorgezentrale die Arbeit fort. Es sind insbesondere hervorzuheben die Durchwandererfürsorge, in deren Rahmen die Bekämpfung des Wanderbettels fällt, die Jugendfürsorge und die Organisierung der sozialen Frauenarbeit. Eine Reihe weiterer Tätigkeitsgebiete soll in den Bereich der Arbeit im Laufe des neuen Tätigkeitsjahres einbezogen werden. In der Durchwandererfürsorge wurden 2.141 Personen mit einem Gesamtbetrage von Kc 87.708.70 abgefertigt, von denen 962 aus dem Gebiete der cechoslovakischen Republik stammten. Unentgeltliche Mittagessen wurden 2.284 verabfolgt, Anweisungen auf unentgeltliches Nachtlager wurden 1383 ausgegeben. Durch Errichtung einer Grenzkanzlei in Bodenbach wurden Vorkehrungen getroffen, um überflüßige Reisen von Ausländern in das Innere der Republik zu verhindern und eine Ablenkung des Durchwandererstromes zu erzielen. Gegen den einheimischen Wanderbettel sind vorbeugende Maßnahmen vorgesehen und ein Plan zur Errichtung eines Alters- und Siechenheimes in der Provinz bereits ausgearbeitet. Bei der Bekämpfung des Wanderbettels ist bereits Zusammenarbeit mit einer Reihe von Gemeinden erzielt worden, die Unterstützung der Polizeibehörden bewährt sich auf das Beste und es ist Hoffnung vorhanden, daß der Wanderbettel durch die Bemühungen der Fürsorgezentrale eine erhebliche Einschränkung erfahren wird. Durch die Errichtung einer unentgeltlichen Rechtshilfe, an der sich 45 jüdische Advokaten turnusweise beteiligen, konnte auch auf diesem Gebiete für die notleidenden Schichten im Berichtsjahre in 51 Fällen Erhebliches geleistet werden.

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