B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 3 (3.1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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m als „Wohlwollen", denn als „Wohltätigkeit" fordern. „Denn, ist Philanthropie die ultima ratio unserer Notabelversammlungen und Gemeinde- Sitzungen, so ist Wohlwollen ein höchst persönlicher Akt, aufblühend aus dem tiefsten Kerne eines gütigen und weisen Herzens. Der Wohlwollende gehört dem positiven Menschentypus an: er übt die Kunst des geistigen Brückenbaues. Indem er sich liebevoll in jede Eigenart versenkt, nimmt er die Lebensbewegung des anderen in sich auf und macht sie zu seiner eigenen. Weil der Wohlwollende in seinem Tun nicht durch das Verhalten anderer bestimmt wird, weil er den inneren Schwerpunkt seines liebevollen Handelns in sich selbst trägt, darum ist er ein innerlich Freier. Wohlwollen ist seine Lebensmethode, Wohltätigkeit deren Konsequenz. Wohltaten sind die natürlichen Früchte am Lebensbaum des Wohlwollenden." (Lederer a. a. O.) Durch solche Betrachtungen gewinnt die Beurteilung der „Wohltätigkeitsakte" der Frauen Vereinigungen in der üblichen Form notwendigerweise eine geänderte Beurteilung, ohne daß etwa dadurch das individuelle Bemühen der Einzelnen und deren reiches Ergebnis eine mindere Beurteilung erfahren soll. Diese Beurteilung ruft vielmehr nur das Verlangen nach einer anderen Richtung wach. Die umfangreichen Arbeitsprogramme, die sich die Frauen Vereinigungen selbst gestellt haben (s.das obige Programm der Amerikanischen Frauenvereinigungen und die diesbezügliche Zusammenstellung in der Arbeit E. Wiesmeyers), lassen ja schließlich diese Art von Wohltätigkeit nur von untergeordneter Bedeutung erscheinen. Aber auch alle anderen Aufgaben gewinnen bei genauer Betrachtung die Basis weiterer Diskussionsfähigkeit, und dies besonders unter Berücksichtigung der Gegenüberstellung, die immer für Beteiligung und Xichtbeteiligung der Frauen an der „Frauenmitarbeit" als ,,Für und Wider" berechtigt und unberechtigt angeführt werden: „Eine Frau als Mut ter ihrer Kinder und Leiterin ihres eigenen Haushaltes kann sich anderen charitativen Diensten aktiv nicht widmen. Wohl gibt sie gerne ihren Beitrag dazu, daß anderen Hilfe, Pflege, Versorgung werde; selbst mitzutun, sei ihr aber unmöglich. Man könne Pflegepersonen, Hilfskräfte aufnehmen, sie wird mit die Kosten tragen helfen." Die Gegenfrage, die dieser Umschreibung folgt: „Ist dies dann programmatische Tätigkeit der Frauenvereinigung? Trifft nicht die Loge aus eigenem diese Vorsorge?" Dies führt dann eben zu jenen erwähnten Fällen, wo der betreffende Minn für sich und dann nochmals „durch seine Frau" der Pflicht der Wohltätigkeit gerecht wird. Dieser ersten Formulierung der Wohltätigkeitsbetätigung folgt oft noch eine andere: „Die Pflegerin ist eine bezahlte Frau, die meist in Waisenhäusern, im Kinderhort den Schützlingen nur entsprechend der Größe der Entlohnung ihre „Liebe" zuteil werden läßt. Eine Mutter von Kindern dagegen verstehe es allein, dem liebebedürftigen Waisenkinde aktive Mutterliebe zu beweisen und darin erwächst der Frauen Vereinigung aktive Betätigung". Dagegen werden nun wieder die bekannten Gegenstimmen laut: „Wirkliche Mutterliebe erschöpft sich meistens nur an den eigenen Kindern." Und so hat jedes „Für" sein „Wider", und dies zeigt uns so recht das Ungeklärte im Wirkungskreise unserer Frauenvereinigungen, das Gegensätzliche von Theorie und Praxis.