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B'nai B'rith · 1924-02-01 · 2 (2.1924) · p. Seite 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
2 (2.1924)
Date
1924-02-01
Page
Seite 52 (sequence 20)
Language
German
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sich sagen muß, der strebt wie du, der denkt wie du, der ist würdig dein Freund zu sein, du musst dich mit ihm vereinen, um dem gemeinsamen höheren Ziele zustreben zu können, das ist genug, das kann und muß genug sein. Solch ein Verhalten müssen wir aber auch als heilige Forderung aufstellen, der jeder Bruder unter allen Umständen entsprechen muß. Wir dürfen also Freundschaft nicht mit Bekanntschaft oder Geselligkeit verwechseln und sie als einen Verkehr auffassen, bei dem die Selbstliebe etwas zu gewinnen hofft. Wer sich unserer Sache mit ganzem Herzen widmet, wer auf dem Pfade einhergeht, den die Loge ihm vorzeichnet, wer ein für unsere Ziele erglühtes Herz im Busen trägt, der findet, ohne sich aufzudrängen, Freunde, die ihm die Hand zu brüderlichem Bunde reichen. Das Wort Bruderliebe kann jeder hochfahrend im Munde führen. Keiner kann dem andern ins Herz schauen und erkennen, wie es in Wahrheit damit bei ihm steht. Ob aber jemand sich der Freundschaft der Brüder würdig zu machen sucht, ob er wahrhaft danach strebt, sie durch sein Tun für sich zu gewinnen, das unterliegt der Beurteilung anderer. Das kann jeder erkennen. Selbstveredlung, Freundschaft, soziale Betätigung, oder wenn wir dafür einen Ausdruck nehmen wollen, Wohlfahrtspflege möchte ich daher als Logenwahlspruch empfehlen und zwar in der angeführten Reihenfolge. Die Selbstveredlung geht auf uns selbst, Freundschaft bezieht sich auf das Verhältnis zu dem Logenbruder, Wohlfahrtspflege auf das allgemeine Menschenwohl. Und das eine ist die Vorbedingung für das andere. Zunächst müssen wir an uns selbst tätig sein, uns emporheben, läutern und veredeln, dann erst machen wir uns der Freundschaft anderer würdig, um gemeinsam mit ihnen einzutreten fü die höchsten Ziele edlen Menschentums. Ich bin mit meinen Ausführungen zu Ende. Es kann selbstverständlich nicht meine Erwartung sein, daß nun von heute auf morgen der empfohlene neue Wahlspruch in Kraft trete. Vorerst genügt es mir, die Sache vor einem weiteren Kreise zur Diskussion gestellt und meine Gedanken darüber klargelegt zu haben. Aber ich hoffe, daß man schließlich im Prinzip zu demselben Resultat kommt wie ich. Dann wird meiner festen Uberzeugung nach ein neuer Gei&t die Logentätigkeit durchziehen, die Klagen über die schwache aktive Beteiligung am Logenleben und über den schwachen Logenbesuch werden schwinden, und der Orden wird seiner erhabenen Mission, ein bedeutsamer Kulturfaktor im Leben der Judenheit im allgemeinen und der deutschen Juden im besonderen zu werden, im vollen Maße entsprechen. Er wird gewinnen an Verinnerlichung und Vertiefung, er wird die Führung erlangen unter allen auf die Erhaltung des Judentums bedachten Organisationen und Vereinigungen, das jüdische Gemeinschaftsbewußtsein wird durch ihn gefördert und so wird er der Aufgabe gerecht werden, die Bruder Blau-Frankfurt auf der letzten Großlogentagung durch die Worte umschrieben hat: „Erhaltung einer von Humanismus und Prophetismus durchwehten geistigen Atmosphäre, in der Vaterlandsliebe und Pflege menschlicher Gesinnung und des Vätererbes harmonisch vereinigt sind".

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